• Kinder

    Abseits des Weges

    „Geschichten ohne Handy sind irgendwie spannender“, sagt die Siebenjährige und blickt von ihrem Fünf-Freunde-Buch auf.„Wie meinst du das?“, frage ich.„Die sitzen gerade im Sturm auf einer Insel fest“, erklärt sie. „Wenn sie ein Handy gehabt hätten, hätten sie ja zuhause anrufen können, damit die Küstenwache sie abholt. Aber dann hätten sie die ganzen Abenteuer nicht erlebt.“Da habe ich noch nie drüber nachgedacht. Aber natürlich hat mein cleveres Kind absolut Recht. Was wäre passiert, wenn Robinson Crusoe ein GPS-fähiges Smartphone gehabt hätte? Oder Hänsel und Gretel? Die Liste ließe sich natürlich endlos fortsetzen.„Wie ist das denn in den neueren Büchern?“, frage ich sie.„Da sagen die dann immer, dass sie ihr Handy…

  • Kinder

    Pick your battles!

    „Wie spricht denn ein Roboter?“, fragt Friedolin die Kinder beim Abendessen. Die Siebenjährige öffnet den Mund, heraus kommt ein bombastischer Rülpser. Erschrocken schlägt sie die Hände vor den Mund. Alle starren sie an. Dann explodieren wir in einem kollektiven Lachanfall. Der Fünfjährige fällt vor Lachen vom Stuhl und die Siebenjährige auf der Küchenbank um.„Wer hätte gedacht, dass aus einem so zarten Mädchen ein so lauter Rülpser kommen kann“, sage ich und wische mir eine Träne aus dem Auge.„Klang doch astrein nach Roboter“, sagt Friedolin und wir kichern wieder los.Ich persönlich finde es ja immer zum Piepen, wenn kleine Kinder unabsichtlich rülpsen. Neulich war jedoch ein Gastkind zum Essen bei uns…

  • Kinder

    Überall Banditen!

    Die Siebenjährige muss sich vor Wegelagerern in Acht nehmen. Ständig lauert ihr jemand aus der Familie auf und nimmt sie mit: „Was ist 7×8?“ oder „Was ist 35:5?“ unter Beschuss. Ich als ihre Interimslehrerin habe den Banditen zwar schon mehrfach gedroht, dass sie die Stadt verlassen müssten, wenn sie noch einmal mit einer Zahlensalve hinter einer Tür lauern. Friedolin und meine Mutter sind aber unbelehrbar. Dieses Dauerfeuer hilft nun wirklich nicht, die Matheblockade der Siebenjährigen zu lösen. Zum Glück ist das Kind kreativ und hat auf die Homeschooling Agenda kurzerhand das Fach: „Angewandter Stoizismus“ gesetzt.Als meine Mutter ihr im Kaninchenstall auflauert und fragt: „Wenn jedes Kaninchen zwei Möhren bekommt, wie…

  • Kinder

    Der durchlässige Clown

    Der Fünfjährige entwickelt eine Bühnenpersönlichkeit. Sie changiert irgendwo zwischen Bugs Bunny und Paul Newman.Als Friedolin sich gestern früh laut trompetend die Nase schnäuzte, bemerkte der Fünfjährige trocken: „Kann mal jemand diesen Elefanten zurück in den Zoo bringen?“Dabei stand er lässig in den Türrahmen gelehnt, mit einem abgebrochenen Bleistift als Zigarette im Mundwinkel. Ich wüsste gern, wen er sich da zum Vorbild nimmt. Friedolin und mich schonmal nicht. Und Fernsehen guckt er ja eigentlich auch kaum. Seine Posen funktionieren erstaunlich gut, bis zu dem Moment, in dem er sich über sich selbst schlapp lacht und aus dem Zimmer rennt. Wobei manch Fernseh-Comedian auch so einen Abgang hinlegt, nur dass er vorher…

  • Kinder

    Das Kind liest uns die Haare vom Kopf

    Einst hatte ich gehofft, dass unsere Kinder Bücher genauso lieben werden wie ich. Jetzt versuche ich, die Siebenjährige vom Lesen abzuhalten. Klar, es ist Lockdown und nasskaltes Winterwetter, außerdem hat sie wegen eines blockierten Rollerrads wieder ihren Fuß kaputt und humpelt an Krücken, aber dennoch finde ich 220 Seiten pro Tag viel für ein siebenjähriges Kind. Wo soll das noch hinführen? Sind wir dann nächstes Jahr bei „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“? Zum Glück haben wir eine belesene Nachbarsfamilie, die uns ein Corona-Care-Paket mit Büchern vor die Tür gestellt hat. Aber das ist auch schon wieder halb aufgelesen. Wir haben natürlich auch zu Hause meterweise Kinder- und Jugendbücher,…

  • Kinder

    Die Pofeige

    Die Kinder haben ein neues Lockdown-Spiel entwickelt. Es heißt: Papa beobachten. Dazu verstecken sie sich hinter offen stehenden Türen, unter Tisch, Stuhl oder Treppe und beobachten mit übermenschlicher Geduld das Treiben ihres Vaters. Nur um dann, wenn er sich scheinbar in Sicherheit wiegt, urplötzlich aus ihrem Versteck hervor zu springen und ihm eine „Pofeige“ zu verpassen. Was im Übrigen eine Wortkreation der Siebenjährigen ist und wie ich finde verdient hätte, in den Duden aufgenommen zu werden. Alternativ klauen sie ihm einen Hausschuh und verstecken ihn irgendwo in den Tiefen unseres Hauses. Sie haben so viel Freude bei diesem Spiel, dass immer häufiger der Satz fällt: „Keine Zeit, wir spielen gerade…

  • Kinder

    Die magische Standleitung

    Wir haben jetzt eine Wahrsagerin im Haus. Sie ist zwar erst Sieben, hat dank ihrer magischen Kristallkugel aber eine Standleitung zur tiefen Weisheit des Universums. Behauptet sie zumindest. Hoffentlich ist die Leitung aus Glasfaser, alles andere funktioniert hier auf dem Dorf nämlich nur bedingt.Die Siebenjährige hatte bei unserem täglichen Rundgang durch das Dorf hinter dem Altglascontainer eine 70er-Jahre-Lampenkugel aus Strukturglas entdeckt und sich direkt verliebt. Also brachen wir unseren Spaziergang ab und trugen den kostbaren Fund nach Hause. Ich glaube ja, dieses Finden und Wertschätzen von Straßenrand-Treibgut liegt in den Genen direkt neben der Haarfarbe, die Siebenjährige ist dabei ebenso findig wie ihr Vater und Großvater. Zuhause baute sie die…

  • Kinder

    Zettelwirtschaft

    Die Siebenjährige muss einen Wunschzettel als Deutschhausaufgabe schreiben.„Liebes Christkind, ich wünsche mir zu Weihnachten 1. kein Corona 2. Schnee.“Als sie bei Punkt 10 angekommen ist, sage ich:„Ist doch praktisch. Dann kannst du den hinterher direkt an das Christkind schicken.“Sie schaut mich schockiert an. „Nein, Mama. Über eine Hausaufgabe würde sich das Christkind bestimmt nicht freuen. Für das Christkind muss ich einen ganz besonderen Wunschzettel schreiben.“Die Siebenjährige liebt es, Zettel zu schreiben. Wunschzettel, Einkaufszettel, Beschwerde-Zettel, Sehnsuchts-Zettel, Zettel-Weisheiten. Gestern lag ein in Schönschrift geschriebener Zettel auf meinem Schreibtisch:„Jeder Gegenstand ist wie ein Wesen, wenn man ihn richtig betrachtet.“Darunter zwei Herzen mit einem Regenbogen verbunden.„Wo hast du denn den Spruch her?“, frage ich…

  • Kinder

    Ritual am Abend

    Die Kinder wollen nicht mehr allein einschlafen. Früher bestand unser Abendritual aus einer Geschichte-einem Lied-einem Kuss und dann ging ich aus ihrem Zimmer. Ich ließ die Tür noch einen Spalt offen und tippte extra laut auf meinem Laptop nebenan, bis sie endgültig eingeschlafen waren. Oft hörte ich sie streiten, weil der Fünfjährige auf seinem Hochbett beim Einschlafen gern Plopp-Schnalz-Pfeiff-und-Pups-Geräusche macht, um die Spannung des Tages abzubauen, die Siebenjährige im unteren Bett aber bei Plopp-Schnalz-Pfeiff-und-Pups-Geräuschen nicht einschlafen kann. Dann musste ich wieder rein und klarstellen, dass die Siebenjährige auch durchaus in ihrem eigenen Zimmer schlafen könne, das zur Zeit nur als Gästezimmer genutzt wird, weil sie dort ja ihre Ruhe vor…

  • Gesellschaft,  Kinder

    Gib den Äffchen Zucker!

    Wahrscheinlich werden unsere Kinder nicht alt. Bei ihrem Zuckerkonsum werden sie schon als Teenager Diabetes und eine Fettleber kriegen. Eigentlich können wir ihr Ausbildungskonto auch gleich auf den Kopf kloppen.Als am Weltdiabetestag die Medien voll von apokalyptischen Warnungen vor zu viel Zuckerkonsum bei Kindern waren, ist mir direkt der Keks aus der Hand gefallen. Jedes siebte Kind ist übergewichtig, schon Teenager tragen Wohlstandsbäuche mit sich herum und leiden am metabolischen Syndrom, was früher nur mit alten Menschen in Verbindung gebracht wurde. Dabei waren Friedolin und ich mit so guten Vorsätzen gestartet.In den ersten Lebensjahren der Siebenjährigen gab es bei uns ungesüßten Haferflockenbrei zum Frühstück, Leitungswasser zum Trinken, ungesüßten Naturjoghurt und…