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    Der Shopping King

    Der Fünfjährige ist im Shopping Fieber. Weil die Infektionszahlen niedrig sind, darf er zum ersten Mal seit sechs Monaten mit zum Großeinkauf. Das ist eine lange Zeitspanne in seinem Alter, daher hat er scheinbar alles aus der wunderbaren Welt der Supermärkte vergessen.„Papa, warum steckst du denn Geld in den Einkaufswagen? Willst du den etwa auch kaufen?“Schon am Eingang ist er außer sich.„Guck mal, so viele Gurken. Wir müssen unbedingt Gurken kaufen!!!“„Ok.“„Nee, WASSERMELONEN! Boah, das ist ja ein richtiger Wassermelonen-Berg“„Die hier?“, fragt Friedolin, was definitiv ein Fehler ist. Der Fünfjährige hüpft auf und ab wie ein Cartoon-Eichhörnchen:„Nee, warte mal, ich muss die schönste aussuchen. Die, nein, die, oder die, nee, die…

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    Die Taschen voller Sand

    Dinge, die ich als Mutter erst lernen musste, Teil 1: Beim Ausschütteln der Jungs-Hosen vor oder nach dem Waschen stets Schutzbrille tragen! Denn es ist immer Sand in den Taschen. Immer. Und in den Schuhen. Die natürlich nie draußen ausgezogen werden. Auch wenn wir noch nicht einmal in die Nähe eines Sandkastens gekommen sind. Ich weiß gar nicht, warum wir im Garten einen Sandkasten gebaut haben. Der im Haus hätte es doch auch getan. Einen Tag nicht staubsaugen, zack, schon haben wir eine Düne in der Wäschekammer. Selbst wenn ich die Hosentaschen vor dem Waschen penibel durchsuche und draußen ausleere, versteckt sich der Sand halt in den Beinumschlägen. Und weil…

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    Selbstbewusst Popeln

    Die Siebenjährige muss ihr Freundebuch redigieren. Schließlich ist sie ab morgen Acht, da stimmen manche Antworten nicht mehr mit ihrer Persönlichkeitsentwicklung überein. Im Freundebuch Personality-Test gibt es investigative Multiple-Choice-Fragen mit der Überschrift „Schon mal…?„, die man mit Ja, Nein oder Geheim beantworten kann. Zum Beispiel: Schon mal… verliebt gewesen? …vom Fünfer gesprungen? … oder „Popel gegessen“ Bei letzterem hat sie „Geheim“ angekreuzt. Alle Kinder kreuzen bei der Popel-Frage „Geheim“ oder „Nein“ an, was natürlich gelogen ist. Als die Siebenjährige aber gelesen hat, dass ihre große Cousine als einzige selbstbewusst „Ja“ angekreuzt hat, kommt sie ins Grübeln.„Wie traut sie sich das?“„Ist ja die Wahrheit“, sage ich.„Aber das können doch alle lesen.…

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    Wackelzahnpubertät

    Der Fünfjährige mag keine Veränderungen. Er ignoriert so gut es geht, dass er im Sommer in die Schule kommt. Klar, möchte er gern Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, aber halt lieber weiterhin im Kindergarten. Dabei ist er selbst gerade derjenige, der sich im Zeitraffer verändert. Er schießt in die Höhe, die stampfigen Kinderbeine strecken sich, sein Gesicht wird schmaler und seine Persönlichkeit macht jeden Tag eine neue Facette durch. Außerdem möchte er von nun an bitte sehr alles selbst entscheiden, denn er ist ja jetzt groß, und überhaupt überlegt er, in die Bushaltestelle zu ziehen.„Da ist wenigstens was los und ich muss nicht ständig tun, was andere mir sagen.“„Zieh doch…

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    Ein Tag im Garten

    „Aufhören!“, japst die Siebenjährige und versucht, über den Rasen davon zu kriechen. Sie kommt nicht weit. Der Fünfjährige hält erbarmungslos ihre Knöchel fest und kitzelt ihre nackten Fußsohlen. Dabei lacht er ebenso überschwenglich wie seine große Schwester. Bei so viel Radau retten sich die Amseln lieber schimpfend in den Haselstrauch und die Kaninchen spitzen nervös die Ohren.„Was muss ich tun, damit du aufhörst?“, bettelt die Siebenjährige völlig außer Atem.„Du musst dreißighundert Jahre ein Bild malen“, bestimmt der Fünfjährige.„Dann bist du doch schon tot.“„Bin ich gar nicht, ich bin jünger als du.“„Aber so viel nun auch nicht!“„DU bist dann tot und ich hab noch zwei Jahre Zeit, das Bild anzugucken“, sagt…

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    Geburtstagsinflation

    Jeden Tag Geburtstag, je-den Tag Ge-bur-tstag. Wenn man den Satz spricht und dazu jede einzelne Wortsilbe trommelt, ergibt das einen treibenden Rhythmus. Das haben unsere Kinder vor zwei Jahren bei ihrem Trommel-Projekt gelernt und absolut verinnerlicht. Zur Zeit trommeln sie täglich zum Geburtstag. Erst hatte der kleine Drache Moni Geburtstag, dann der Puppenjunge Meon, dann wurden die Küken eine Woche alt und am Tag darauf hatte der Fünfjährige eine Feuerwanze gefunden, die zufälligerweise auch gerade Geburtstag hatte. Für Geburtstag muss die Picknickdecke ausgebreitet, das Puppengeschirr verteilt und mit Wiesenblüten geschmückt und natürlich gesungen und Topfschlagen gespielt werden. Dann wird ein Reinführkind ausgewählt, welches das Geburtstagskind (Drache/Puppe/Wanze) zu Tisch geleiten darf.…

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    Küssen ist ekelhaft

    Küssen ist ekelhaft. Das ergab eine repräsentative Umfrage der unter 13-Jährigen in diesem Haus. Die Tatsache, dass beim Küssen Speichel den Besitzer wechselt, wurde als besonders widerlich eingeordnet.„Spuckt man dann hinterher aus?“, fragt Kind Nr. 1, das hier nicht weiter spezifiziert werden soll, weil das Thema ja absolut oberpeinlich ist.„Nee, man schluckt das einfach runter“, sage ich.Alle Anwesenden machen Würgegeräusche.„Und man steckt sich wirklich gegenseitig die Zunge in den Mund?“„Japp.“Entsetzte Blicke.„Dann lässt man den anderen ja in seinen Körper rein.“„Das ist quasi Sinn der Sache. Und eine Art Vorübung.“„Für was denn?“„Das besprechen wir ein andermal.“„Ich weiß gar nicht, was daran so schlimm sein soll“, sagt die Siebenjährige, die durchaus namentlich…

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    Robert De Narziss

    Der Fünfjährige erkennt sich selbst nicht mehr. Er hat sich die Haare gebürstet. Sogar mit Seitenscheitel. Er steht vor dem Spiegel im Flur und lacht sich kaputt. Dann ruft er:„Mama, da ist so ein Typ im Spiegel und der macht immer das gleiche wie ich. Ich so … und dann er so ….“Dann probiert er Posen wie ein zu heiß gewaschener Robert De Niro.„Du laberst mich an? Kann das sein, dass du mich meinst? Du redest mit mir?“Zum Glück macht er sich über seinen Doppelgänger lustig und himmelt ihn nicht an. Sonst würde ihn wohlmöglich irgendein durchgeknallter Gott in eine Narzisse verwandeln. Die könnte dann allerdings die Siebenjährige für ihr…

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    Hüte dich!

    Die Siebenjährige muss sich gerade dreimal pro Tag umziehen. Das hat nichts mit modischer Unentschiedenheit zu tun. Sie hütet sich lediglich davor, in den Bach zu fallen. Das geht natürlich nur, indem sie über den Bach springt. An der breitesten Stelle. Wo die Brennnesseln wachsen. Außerdem hütet sie sich davor, in den brackigen Tümpel am Feldrand zu fallen. Das geht natürlich nur, indem sie sich an der steilsten Stelle entlang hangelt. Sie hat von Ronja Räubertochter gelernt, dass Kinder sich vor Gefahren nur dort hüten können, wo sie auch wirklich anzutreffen sind. Denn vor etwas, was gar nicht da ist, kann man sich nicht hüten.Friedolin merkte an, dass sie vielleicht…

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    „Na, wie war’s?“

    „Ist das eine Krähe oder eine Elster“, fragt Friedolin und schaut mit zusammen gekniffenen Augen in Richtung Ahorn.„Das ist eine Krähe, Papa“, sagt der Fünfjährige.„Du brauchst echt mal eine Brille“, sage ich, aber Friedolin schüttelt entrüstet den Kopf.„Da war ein Ast vor, deshalb konnte ich das nicht richtig erkennen.“Friedolin hat es nicht so mit Vögeln. Wenn unser kleiner Teich zur Vogel-Badeanstalt wird, ruft er gern: „Guckt mal Kinder, der Spatz!“ Dann rollen die Kinder mit den Augen und korrigieren: „Das ist ein Buchfink, Papa.“ Für ihn ist jeder Vogel, der klein und annähernd braun ist, ein Spatz (auch Zaunkönige, Heckenbraunellen und Finken). Amseln immerhin erkennt er. Zumindest die Männchen. Er…