Corona-Chronik

die Quarantäne-Chroniken

  • Corona-Chronik

    Ich bin völlig überfordert. Die Kinder sind seit dieser Woche zum ersten Mal seit Dezember jeden Tag zeitgleich in Betreuung. Ich wiederhole: Jeden Tag. Ich weiß gar nicht, was ich mit der ganzen kinderfreien Zeit anfangen soll. Doch, natürlich weiß ich es. Ich kann endlich arbeiten, ohne von einem Menschen unter 1,30 Metern gestört zu werden. 8:15 UhrIch klappe den Laptop auf. Da fällt mir ein, dass ich das Geburtstagsgeschenk für den Fünfjährigen noch bestellen muss. Aber natürlich nicht am Amazonas. Die haben in der Corona-Krise genug Geld verdient. Ich klicke mich durch diverse Kindershops, es gibt ja so niedliche Sachen für Kinder zu kaufen. Plötzlich ist es 9 UhrJetzt…

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    Echtes Leben

    Das normale Leben kehrt langsam zurück. Wobei sich die Frage stellt, ob es jemals normal war. Die Achtjährige darf ab sofort wieder mit ihrer gesamten Klasse in die Schule. Viele der Kinder hat sie seit Dezember nicht gesehen. Morgens hüpft sie nun erwartungsfroh zur Schulbushaltestelle und kehrt mittags gut gelaunt zurück.Der Fünfjährige wird seinen Kindergartenabschluss jedoch ohne uns feiern müssen. Als der Abschied geplant wurde, waren die Zahlen noch zu hoch, die Eltern müssen daheim bleiben. Es fühlt sich seltsam leer an, dass wir wegen Corona seit über einem Jahr überhaupt nicht an seinem Kindergartenleben teilhaben konnten. Wir durften das Gebäude nicht betreten, es gab keine Aktionen, kein Miteinander. Die…

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    Es geht mir gut

    Mir fehlt nichts. Wirklich nicht. Ich hab zwar gestern beim Abgießen der Kartoffeln kurz die Nase in den aufsteigenden Dampf gehalten und mir vorgestellt, ich sei in der Sauna. Aber das war eine Ausnahme. Eventuell habe ich auch neulich in der Schlange im Supermarkt, als neben mir eine der Mitarbeiterin ein Regal mit Chlorreiniger auswischte, kurz die Augen geschlossen und mir vorgestellt, ich stehe im Freibad für Pommes an. Und als Friedolin mir einen Kaffee brachte, habe ich ihm heimlich Trinkgeld in die Hosentasche gesteckt. Aber eigentlich komme immer noch total gut klar mit den Beschränkungen. Nein, ehrlich. Wir haben das ja auch genossen. Dieses zurück gezogene Jahr, in dem…

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    Fluchtfantasien

    Die Kinder sind untröstlich. Eugen hat ihr Trampolin zerstört. Der gestrige Sturm hat einen baumgroßen Ast aus unserem Ahorn gerissen und direkt auf das Trampolin geschleudert. Die Siebenjährige presst stumm die Lippen zusammen, der Fünfjährige weint. „Ich weiß nicht, ob ich trauriger für unseren Ahorn oder für unser Trampolin bin“, sagt er und zeigt auf die deutlich lichtere Krone unseres Lieblingsbaums. So viele schlimme Stürme hat er überstanden, aber Eugen scheint mit Riesenfingern den gewaltigen Ast wie ein Streichholz abgebrochen zu haben, der wiederum im Fall mehrere kleinere Äste mitgerissen hat. Jetzt liegen sie alle auf dem Trampolin, das Netz ist an mehreren Stellen zerfetzt, die Stangen verbogen. Das große…

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    Im Karussell

    Heute bin ich sehr froh, dass die Siebenjährige zu Hause und nicht in der Schule ist. Während ich immer noch flach liege, flitzt sie zwischen meinem Schlafzimmer und dem Garten hin und her, um mir die neuesten Meldungen aus dem Hühnerstall zu überbringen. Noch ist kein Küken geschlüpft. Zwischendurch macht sie einen Boxenstopp in meinem Bett und liest mir schaurige Piratengeschichten von Käpten Knitternbart vor. Mittlerweile ist sie eine so gute Vorleserin, dass ich mir das ganze Geld für Hörbücher eigentlich sparen könnte. Wobei ich vermutlich Ärger mit dem Jugendamt bekäme, wenn ich sie um Mitternacht zum Vorlesen wecke, weil ich mal wieder nicht schlafen kann. Solange ich liege, geht…

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    Krankmeldung

    Irgendetwas hat mich heute aus der Bahn gekegelt. Ich kriege die Augen kaum auf und mir ist wahnsinnig schwindelig. Vielleicht habe ich mir gestern beim Lehmboden umgraben einen Wirbel rausgehauen. Wäre nicht das erste Mal. Vielleicht ist auch einfach mein Blutdruck komplett im Keller. Dann hilft ausruhen und nach ein paar Stunden geht es wieder. Oder es waren doch Maiglöckchen zwischen dem Bärlauch. Zum Glück sind die Kinder heute vormittag aus dem Haus, Homeschooling wäre in diesem Zustand nicht drin. Aber irgendwo auch ungünstig, weil ich jetzt den einen von zwei kinderfreien Vormittagen diesen Woche nicht nutzen kann. Auf jeden Fall habe ich heute nichts für euch. Schon diese paar…

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    „Test, Test, 1,2,3“

    Für die Siebenjährige beginnen Schultage mit Tränen. Sobald sie sich mit dem Selbsttest-Tupfer in der Nase bohrt, laufen die Augen über und sie wird von Niesanfällen geschüttelt. Aber sie zieht das tapfer durch. An und für sich popeln Kinder ja ganz gerne. Aber das Reiben und Piksen und Kribbeln der Test-Tupfer ist schon fies, vor allem so früh am Morgen. Ich finde es beruhigend, sie getestet auf getestete Mitschüler loszulassen. Die negativen Kinder dürfen nun wieder den gesamten Schulhof nutzen und sich freier bewegen. An die Masken haben sie sich mittlerweile auch gewöhnt. Weniger beruhigend finde ich, dass in vielen Firmen immer noch nicht getestet wird. Laut einer Umfrage vom…

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    Ferienreif

    Die Kinder haben eine tote Vogelspinne im Müll gefunden. Und sie waren im Meer baden. Das waren so in etwa die Highlights unserer Osterferien. Die Sache mit der Vogelspinne hat sich immerhin schnell aufklären lassen. Es war nämlich gar keine. Zum Glück haben wir nicht die Feuerwehr gerufen. Wobei ich das nicht schlecht gefunden hätte, weil unser Nachbar von der Feuerwehr ja sehr nett ist und wir sonst gerade kaum Freunde treffen.Die Kinder hatten im Mülleimer auf dem Sportplatz ein seltsames Wesen mit pelzigen Beinen gefunden und waren völlig aufgelöst nach Hause gekommen. Die Frage, warum sie überhaupt in den Mülleimer auf dem Sportplatz gucken, konnte nicht zufrieden stellend beantwortet…

  • Corona-Chronik

    Ach, was war das für ein schöner, schöner Tag gestern. Ich bin auf kleinen, watteweißen Wölkchen durch die Stunden geschwebt, beflügelt von euren liebevollen, mutmachenden Worten, Kommentaren und Nachrichten. Noch heute umhüllen sie mich wie ein leuchtender Kokon gegen die Unbill dieser verrückten Zeit. Normalerweise bin ich nicht gut darin, für mich allein etwas einzufordern. Aber vielleicht sollte ich das häufiger tun, wenn das Ergebnis so wundervoll ist. Den Sekt konnte ich mir direkt sparen, weil ich ganz angetrunken vor Glückseligkeit war und sonst auch nach dem Mittagessen schnarchend auf unser Sofa gekippt wäre.Die Siebenjährige und ich saßen vormittags einträchtig in der Küche und stießen mit unseren erfolgreich erbeuteten Croissants…

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    Ein ganzes Jahr

    Heute werde ich ein Jahr alt. Also, ich in meiner Identität als Bloggerin. Wobei mir das Wort Kolumnistin immer noch leichter über die Lippen geht. So jung habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Zum Geburtstag wünsche ich mir, dass alle, die regelmäßig mitlesen, heute mal mir etwas schreiben. Und sei es nur „Jodeldiplom“ oder „Winter is coming“ oder „42“.Ich lasse es mir heute gut gehen. Gleich verlässt der Fünfjährige vorfreudig das Haus. Er ist so glücklich, dass er endlich wieder in den Kindergarten darf, er würde am liebsten sogar Ostern hingehen. Anschließend werde ich mit meinem Wechselunterricht-Homeschooling-Kind zur Tanke flanieren und zur Feier des Tages Croissants kaufen. Auf…