• Winter

    Fastenzeit

    „Also, worauf wollen wir in den nächsten sieben Wochen verzichten?“, frage ich beim Mittagessen. Ich hatte den Kindern die Sache mit Jesus und der Wüste erklärt. Und dass es in der Fastenzeit nicht nur darum ginge, zu verzichten, was wir ja seit Monaten zur Genüge tun, sondern auch, falschen Versuchungen zu widerstehen, sich von alten Gewohnheiten zu befreien und Raum für neue Ideen zu schaffen.„Ich verzichte sieben Wochen…“, setzt Friedolin großspurig an, „…auf Schnee.“„Witzig“, sage ich.„Papa könnte sieben Wochen auf Fernsehen verzichten“, schlägt die Siebenjährige vor. Womit sie absolut Recht hat. Seit Corona verbringt Friedolin seinen Feierabend zu 90 % auf Netflix.„Abgemacht“, sage ich. „Sieben Wochen ohne Netflix.“„Wir haben gerade…

  • Winter

    Kufen und Eis

    Sie gleitet durch den feinen Schnee. Die Kufen ihrer Schlittschuhe kratzen über das darunter verborgene Eis. Alles funkelt und glitzert und strahlt: die Sonne, der Schnee, das Eis, ihre Augen. Sie breitet die Arme aus und beschreibt einen weiten Bogen über den See, gleitet im Slalom unter den tief hängenden Zweigen der Trauerweide hindurch und kommt mit einer Drehung zum Stehen: „Ich hätte nie gedacht, dass Schlittschuhlaufen so viel Spaß macht!“, ruft die Siebenjährige und reckt glücklich ihre Arme in den Himmel. Unsere Kinder sind noch nie Schlittschuh gelaufen. Die vergangenen Winter waren zu warm und ich wollte sie als stolpernde Anfänger nicht in das Getümmel der Eissporthallen schicken. Was,…

  • Corona-Chronik,  Winter

    Fast-Nacht

    Wir lassen uns den Spaß nicht verderben. So weit kommt es noch. Feiern wir halt allein zu Hause. Der Winter will ja auch während Corona vertrieben werden. Und zwar mit einem Löwen, einer Prinzessin und einem Popcorn-Dino. Unser Kontaktbeschränkung konformes Gastkind kam als Gentleman, was die Prinzessin haltlos kichern ließ und den Löwen mit seiner gentilen Art zum Glück besänftigte. Der hatte vorher nämlich so viel gefaucht und die Krallen gezeigt, dass wir kurz davor waren, ihn an einen Zoo zu verkaufen. Ich war natürlich mal wieder so damit beschäftigt gewesen, den Löwen zu schminken und der Prinzessin als Zofe zu dienen, dass ich ganz vergessen hatte, mir selbst ein…

  • Winter

    Heute werden wir Schlittenfahren. Oder Schlittschuhlaufen. Oder Schneehöhlen bauen. Für Schneemenschen und Schneeballschlachten ist der Schnee immer noch zu pudrig. Auf jeden Fall machen wir irgend etwas mit Schnee. Und nichts mit Computern. Daher wünsche ich Euch allen schon jetzt ein schönes Wochendende.

  • Winter

    Eingeschneit!

    Winter ist ein Vollzeitjob. Das verdränge ich irgendwie immer. Vor allem mit kleineren Kindern. Ständig bin ich dabei, irgendjemandes Handschuhe oder Mütze zu suchen, oder irgendjemandes Wechsel-Handschuhe oder Wechsel-Mütze, weil die eigentlichen Handschuhe und Mützen seit dem letzten Freigang noch nicht wieder getrocknet sind, Wangen mit Bienenwachssalbe einzucremen, quengelnde Kinder in drei Lagen Kleidung zu zwingen („Den Pullover nicht, der kratzt!“, „Bei der Strumpfhose jucken die Nähte immer so!“), bis einem Kind einfällt, dass es doch nochmal aufs Klo muss (Schneeanzüge mit eingebautem Urinal, das wäre mal was), um dann gefühlte fünf Minuten später alles wieder rückgängig zu machen: Steif gefrorene Kinder aus nassen Sachen schälen („Ich kkkkkrrrrrieg dddden Reisvvvvverschlusssss…

  • unser Dorf,  Winter

    Trecker im Schnee

    Wir Niedersachsen kennen uns mit Schnee ja nicht so gut aus. Wenn es mal ordentlich schneit, was höchstens alle 20 Jahre vorkommt, geht nichts mehr. Busse und Bahnen stehen still, die wenigen Räumfahrzeuge kommen gegen den Schnee nicht an und irgendwer von der Stadtverwaltung hat mal wieder vergessen, das Streugut nachzubestellen. Was für ein Glück, wenn man dann einen Nachbarn mit Trecker hat. Ich meine, wir müssen zwar gerade ohnehin nirgendwo hin, aber für die Kinder war der Schneesturmtag besser als jeder Besuch im Freizeitpark.Als sie gestern morgen zum Schneedienst antraten, um die Zufahrt unserer bettlägerigen Hofmitbewohnerin für den Pflegedienst freizuschippen, war unser sehr toller Nachbar schon mit seinem Trecker…

  • Winter

    Einmal Beach Boys, bitte

    Gestern Abend hat sie mich doch noch erwischt. Auf den letzten Metern Winter. Als ich erschöpft im Bett lag und keinen Widerstand mehr leisten konnte, setzte sie sich bleischwer auf meine Brust und höhnte mit nasaler Stimme, die ebenso grau und trist klang wie dieser verregneter Februartag: „Dein Leben ist sinnlos, deine Freunde tun nur so, als ob sie dich mögen, und dein Teint ist eine Zumutung. Und das ist erst der Anfang, Baby.“„Dich kann ich jetzt gerade echt nicht gebrauchen“, nuschelte ich müde, „Geh zu den Corona-Leugnern. Wenn die mal ’ne Weile nicht aus dem Bett kommen, sinken die Infektionszahlen schneller.“ Ich versteckte mich unter dem Kopfkissen und nahm…

  • Winter

    Neues Licht

    Wir baden in der gleißenden Wintersonne. Die von Raureif überzogenen Felder glitzern wie ein Meer aus Kristall. Die Kinder schlittern jubelnd über zugefrorene Pfützen und lauschen dem Knirschen ihrer Schritte auf dem vereisten Gras. Sie werfen Hände voll fein verharschten Schnees in die Luft und umhüllen sich mit dem funkelnden Niederschlag aus Eiskristallen. Nach den trüben Regentagen und der Dunkelheit des Winters fühlt sich das erstarkte Licht wie ein Segen an, der Körper und Seele mit neuer Kraft erfüllt. Im alten Glauben macht der Sonnenhirsch zu Lichtmess einen Sprung, die Tage ab Anfang Februar werden spürbar länger. Schon jetzt haben wir eine Stunde mehr Sonnenlicht als noch zur Wintersonnenwende. Das…

  • Winter

    Durch das Windauge

    Die Kinder können sich nicht entscheiden, ob sie ihre Wunschzettel an das Christkind oder den Weihnachtsmann schicken sollen. Himmelsthür, eines der irdischen Weihnachtspostämter, ist nicht weit von uns. Dorthin könnten wir die Wunschzettel per Post schicken und auf Antwort vom Weihnachtsmann hoffen. Aber die Kinder sind dagegen.„Der Brief kommt doch eh nicht vom echten Weihnachtsmann“, sagt die Siebenjährige abgeklärt. Sie unterscheiden streng zwischen menschlichen Helfern und den echten Weihnachtsgestalten.Als am Abend des 5. Dezember der Nikolaus bei uns klingelte und von seinem voll beladenen Karren Äpfel und Lollis an die Kinder verteilte, waren sie sich sicher: Das war nur ein menschlicher Helfer. Erstens trug er einen Mundschutz und zweitens waren…

  • Winter

    Wintersonnenwende

    Wintersonnenwende. Die Erde hält den Atem an. Tiefe Dunkelheit umhüllt uns vom Nachmittag bis weit in den Morgen hinein. In unserem Haus haben die Rauhnächte begonnen. Nach christlichem Brauch dauern sie vom 25. Dezember bis zum Dreikönigstag. Wir beginnen bereits mit der Thomasnacht am 20.12., dem Vorabend der Wintersonnenwende. Die Siebenjährige wanderte gestern Abend im Kerzenschein mit dem Räucherpfännchen durch unser Haus. Auf einem Stück Kohle verbrannten wir Beifuß, Wacholder, Fichtenharz und Johanniskraut, Boten des vergangenen Sommers. Der Fünfjährige fächerte mit seiner Schwanenfeder den Rauch in jede Ecke. Natürlich nicht ohne anzumerken, dass er auch bald groß genug sei, das Räucherpfännchen zu halten. Räuchern hilft, das Haus vom Ballast des…