Corona-Chronik

Echtes Leben

Das normale Leben kehrt langsam zurück. Wobei sich die Frage stellt, ob es jemals normal war. Die Achtjährige darf ab sofort wieder mit ihrer gesamten Klasse in die Schule. Viele der Kinder hat sie seit Dezember nicht gesehen. Morgens hüpft sie nun erwartungsfroh zur Schulbushaltestelle und kehrt mittags gut gelaunt zurück.
Der Fünfjährige wird seinen Kindergartenabschluss jedoch ohne uns feiern müssen. Als der Abschied geplant wurde, waren die Zahlen noch zu hoch, die Eltern müssen daheim bleiben. Es fühlt sich seltsam leer an, dass wir wegen Corona seit über einem Jahr überhaupt nicht an seinem Kindergartenleben teilhaben konnten. Wir durften das Gebäude nicht betreten, es gab keine Aktionen, kein Miteinander. Die jüngeren Kinder in seiner Gruppe kenne ich alle nur vom Namen her. Und nun wird es ein Abschied auf Distanz.
Dafür dürfen wir wieder auf die Bühne. Munkelt man. Am 18. Juni treten wir im Pavillon Hannover auf und spielen die vielfach verschobene Premiere unseres Jubiläumsprogramms Nummern Schieben. So richtig glaube ich es erst, wenn die Scheinwerfer angehen und wir in die Gesichter von echten Menschen blicken. Es wird seltsam sein, die alten Nummern zu spielen. Weil wir nach diesem Jahr nicht mehr die selben sind. Zum Glück haben wir im Corona-Jahr genügend neue Nummern geschrieben, um die alten Lieblinge in ein neues Spannungsfeld zu versetzen.

Das echte Leben kehrt zurück, daher wird es Zeit, mich im virtuellen Raum rar zu machen. Ich werde nicht mehr täglich schreiben. Vielleicht noch einmal in der Woche. Ich möchte die Zeit nutzen, eine CD aus den Mini-Hörspielen zu produzieren. Und mich um die Buchveröffentlichung kümmern. Damit ich dieses verrückte Corona-Jahr endlich zwischen zwei Buchdeckel sperren und hinter mir lassen kann. Bisher waren die Verlagskontakte wenig vielversprechend. Ich solle eine Familienratgeber aus den Texten machen, hieß es. Und Corona bitteschön rauslassen, das will doch keiner mehr lesen. Aber ohne Corona hätte ich diese Texte nie geschrieben. Ohne Corona wäre ich niemals auf die Idee gekommen, unser Familienleben der Öffentlichkeit zu präsentieren. Es ging ja gerade darum, sich in der Krise auszutauschen, mit den Texten eine Rettungsleine für mich und für euch zu spannen, die uns Tag für Tag in der Isolation verbindet, bis es endlich vorbei ist. Ich hoffe sehr, dass dies nun der Fall ist. Dass es endlich vorbei ist. Vielleicht veröffentliche ich das Buch einfach selbst. Dazu muss ich aber erstmal wieder echtes Geld verdienen. Oder ich veruntreue eure Spendengelder für das Trampolin. Das war natürlich nur ein Witz, ein schlechter obendrein, ich bin völlig aus der Übung. Das Trampolin ist definitiv wichtiger. Dafür wollte ich euch noch von ganzem Herzen danken. Bisher habe ich den Kindern nichts von dem neuen Trampolin verraten, weil Friedolin und ich gerade gar keine Zeit hätten, uns darum zu kümmern, das alte abzubauen und zu entsorgen. Erstmal ist das Badezimmer dran. Damit die Kinder nach all dem Hüpfen im Blütenstaub des Ahornbaumes auch wieder sauber werden. Und noch hält die alte Gurke mit Spanngurten und Kabelbindern. Aber wenn es dann soweit ist, werde ich euch davon berichten, ganz bestimmt.
Ich nehme euch alle zum Abschied in meine virtuellen Arme. Vielleicht auch in meine echten, wenn ihr zu einem unserer Auftritte im Sommer kommt. Wir werden da sein.

18.6. Pavillon Hannover
26.6. Wedemark
16.7. Berlin
25.7. Laatzen
28.7. München
14.8. Meiningen (Thüringen)
20.8. Suderburg (bei Uelzen)
27.+28. August Deisterspiele Springe
alle Termine unter:
https://www.aufderfensterbank.de/termine/

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