Sommer

Eis!

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, die Klingel des Eiswagens am See aber schon. Ganz gleich, wie kalt das Wasser nach dem frostigen Frühling noch sein mag, als gestern der Eismann läutete, begann ganz offiziell unser Sommer. Die Kinder rannten im mehr oder weniger bekleideten Zustand vor Freude schreiend zum Sandweg zwischen den Kiesteichen und hüpften und winkten, bis der Eismann vor dem Tor unserer Parzelle hielt. Sie hatten natürlich nicht vorher gefragt, ob wir überhaupt Geld dabei haben. Denn wie unser Eismann so schön sagt: „Eis ist wichtiger, als Geld!“ Wenn wir kein Geld dabei haben oder den Eiswagen in letzter Sekunde tropfnass im Badeanzug abfangen, weil wir gerade mitten im See geschwommen sind, als die Klingel ertönte, dürfen wir anschreiben. Zwar weiß der Eismann nie, wann er sein Geld zurück bekommt, weil manchmal wir nicht am See sind, wenn er dort vorbei fährt, oder wir zwar am See sind, aber er in seiner Eisdiele zu viel zu tun hat und nicht über die Dörfer tingelt. Aber früher oder später stehen wir immer mit einer Horde strahlender Kinder vor seinem Wagen und bestellen eine Kugel Sommer in der Waffel für jeden. Dann sitzen die Kinder selig lächelnd auf den ausgeblichenen Plastikstühlen rund um unseren Holztisch, dessen Lack schon abblättert, die Lippen und Wangen schokobraun und beerenrot verschmiert und lauschen dem Quaken der Frösche und dem Flügelschlag der Schwäne und der Fünfjährige sagt: „Ich weiß auch nicht warum, aber das Eis am See schmeckt am aller wunderbarsten!“

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