• Mamaaa!!!

    Schön schuften

    Ich teste gerade die Corona-Frühlingsdiät. Die funktioniert so, dass ich nach einem mit Homeschooling und Computerkram voll gepacktem Vormittag den restlichen Tag schweren Lehmboden umgrabe, Schubkarren mit Kompost durch die Gegend schiebe und kopfüber vom Apfelbaum hängend mit der riesigen Astschere hantiere. Hungrig nach so viel frischer Luft essen wir dann früh zu Abend, wonach ich in weiser Voraussicht gemeinsam mit den Kindern Zähne putze, weil ich beim Schlaflied singen um 20 Uhr von der ungewohnten körperlichen Arbeit schon im Kinderzimmer einschlafe und wenig später auf allen Vieren in mein Bett krieche, anstatt wie sonst mit Friedolin auf dem Sofa zu versacken, wo ich Dinge trinke, die ich besser nicht…

  • Mamaaa!!!

    Wartungsarbeiten

    „Papa repariert Dinge und Mama repariert die Kinder“, sagt die Siebenjährige, während ich ihrem Bruder einen eindrucksvollen Splitter aus dem Finger ziehe. Womit sie unser Familienleben ziemlich gut auf den Punkt gebracht hat.„Und dann baut Papa Dinge, wo sich die Kinder wieder Splitter holen“, jault der Fünfjährige.Ich finde ja, Friedolin hat den leichteren Job von uns beiden. Er behauptet natürlich das Gegenteil. Die Kinder in diesem Haus gehen aber definitiv häufiger kaputt, als die Dinge. Und es gibt auf Ebay keine Ersatzteile für sie. Vor allem die regelmäßigen Wartungsarbeiten wie Fingernägel schneiden, Haare bürsten und Impftermine bringen das Personal ständig an die Belastungsgrenze. Ich habe zum Beispiel noch nie erlebt,…

  • Mamaaa!!!

    Von Träumen und Namen

    Heute Nacht hatten wir denselben Traum. Als die Siebenjährige im Morgengrauen in mein Bett geklettert kam und mir atemlos von ihrem Traum erzählte, der auch der meine gewesen war, glaubte ich, immer noch zu träumen. In unserem Traum war unser altes Kaninchen verschwunden. Wobei das die FSK-0-Version der Siebenjährigen war. In meinem Traum lag es geköpft im Garten. Ich lief unbeirrt weiter durch die Sträucher, weil ich wusste, dass sein Tod nur symbolisch war. Und dann blitzte etwas Weißes im Sonnenlicht auf. Unsere junge Häsin hatte Nachwuchs bekommen und die weiß gefleckten Häschen purzelten neben der Siebenjährigen durch das Gras. Was hoffentlich ebenso symbolisch gemeint war, sonst hätte wir uns…

  • Mamaaa!!!

    Verlorene Zeit

    Das Ticken der Pendeluhr. Das Knacken des Kaminfeuers. Das Knarzen der Fichten vor dem Haus. Die leisen, gleichmäßigen Atemzüge meiner schlafenden Großeltern. Geräusche zur Mittagszeit aus längst vergangenen Tagen. Es waren Stunden der friedvollen Langeweile. Wenn meine Großeltern Mittagsschlaf hielten, mussten meine Schwester und ich uns still verhalten. Also las ich zum hundertsten Mal das einzige Kinderbuch im Haus: Die Konferenz der Tiere. Ich kämmte die Teppichfransen im Wohnzimmer. Ich schob die Figuren auf dem elektrischen Schachbrett hin und her. Es gab keine Kinderspiele im Haus meiner Großeltern. Mein Großvater brachte uns früh Schach bei und das japanische Strategie-Spiel Go. Manchmal war es frustrierend gegen einen Schachmeister anzutreten, der in…

  • Corona-Chronik,  Mamaaa!!!

    Klare Sicht

    Die Siebenjährige ist bei unseren Nachbarn gegen die Wintergarten-Tür gelaufen. Die Scheibe der Tür war so gut geputzt, dass sie diese nicht als solche erkannt hat.Unsere Scheiben sehen einfach nie so aus. Selbst wenn ich zweimal im Jahr Fenster putze, patscht der Fünfjährige sofort mit seinen Schmierfingern dagegen, weil er im Garten eine Kröte gesehen hat oder den Eichelhäher oder einfach nur, weil es Spaß macht mit Schmierfingern gegen die Scheibe zu patschen. Dafür ist bei uns auch noch nie ein Vogel gegen die Scheibe geknallt. Ich tue ja alles für den Artenschutz. Vielleicht sollte man mal so schwarze Scheibenaufkleber mit dem Umriss kleiner Mädchen erfinden. Dann läuft unsere Tochter…

  • Mamaaa!!!

    Wer ist hier zuständig?

    „Nein!!!“, die Siebenjährige schreit verzweifelt auf. Aber es ist zu spät, der Fünfjährige hat schon das hinter der Heizung versteckte Bild hervorgezogen.„Das ist doch mein Geschenk für Mama“, sagt sie mit erstickter Stimme und ich schlage mir schnell die Hände vors Gesicht.„Ich habe gar nichts gesehen“, beteuere ich.„Doch, hast du wohl“, schluchzt sie und vergräbt sich unter ihrer Bettdecke.„Das konnte ich doch nicht wissen“, sagt der Fünfjährige bestürzt.All meine Tröstungsversuche scheitern.„Mama, jetzt hast du gar keine Überraschung mehr“, erklingt es traurig und dumpf unter der Decke, „dabei machst du uns immer so schöne Geschenke.“„Und jedes Jahr an Weihnachten seid ihr mein größtes Geschenk“, sage ich. „Aber über das Bild werde…

  • Mamaaa!!!

    Zeitraffer

    „Ich müsste dringend mal früher ins Bett, aber dann hätte ich gar keine Zeit mehr für mich.“Das ist seit Corona der häufigste Satz, den ich von Müttern höre. Was haben wir früher bloß mit der ganzen Zeit angefangen? Als die Kinder noch jeden Morgen das Haus verließen? Wisst ihr noch, wie schön dieses Gefühl war, von kleinen Armen zum Abschied umfasst zu werden, ein Kuss auf ihren duftenden Scheitel, nein, Mama, du musst mich nicht bis zur Bushaltestelle bringen, was sollen denn die anderen Kinder denken…Ich vermisse es, die Kinder zu vermissen.Zugegeben, ich vermisse es nicht, um 6:30 Uhr aufzustehen, Schulbrote zu schmieren und nachmittags als Mama-Kutsche diverse Freizeitaktivitäten anzusteuern.…

  • Mamaaa!!!

    Achtsamkeit, my ass!

    Um mich herum betreiben jetzt alle die neue Trendsportart Achtsamkeit. Eine Freundin schickte mir die Zeilen eines Zen-Priesters:„Jetzt nehme ich mir Zeit, Kartoffeln zu schälen, Salat zu waschen und Rüben zu kochen, den Boden zu schrubben, Waschbecken sauber zu machen und Müll rauszubringen. Versunken im Alltag habe ich Zeit, mich zu lösen, mich zu entspannen, den ganzen Körper.“Ganz ehrlich, der Typ hat doch bestimmt keine Kinder. Und wenn ja, kümmert sich seine Frau um sie, während er achtsam den Boden wischt. Früher, ja früher konnte ich mich beim Putzen auch entspannen und hinterher im Einklang mit mir und meiner Wohnung die Ordnung und Klarheit genießen. Heutzutage putze ich mit zwei…

  • Mamaaa!!!,  Nachhaltigkeit

    Lass fetten, Baby!

    Ich bin Trendsetterin. Ich war dem shampoofreien Haarwasch-Trend „No-Poo“ um Jahre voraus. Bei mir hieß das allerdings „auftrittsfreie-Zeit“. Als dann No-Poo durch die Medien geisterte, dachte ich zunächst, dass sei wieder so ein verrückter Ernährungstrend aus Kalifornien, bei dem man nicht mehr kackt. To poo ist ja das englische Äquivalent zu Aa-machen. Aber nein, es bedeutet lediglich, sich ohne Shampoo die Haare zu waschen. Wow, was für eine Erfindung. Haben unsere Vorfahren zwar für Jahrhunderte praktiziert, aber echt crazy, was die Sozialen Medien da ausgegraben haben. Meal-Prep statt Fertiggerichte. Essigessenz statt Allzweckreiniger. Bienenwachstücher statt Alufolie… es wird ja immer wieder als Mega-Trend angepriesen, was für unsere Großeltern noch vollkommen selbstverständlich…

  • Corona-Chronik,  Mamaaa!!!

    Frankensteins Mama

    Ich muss zum Schönheitschirurgen. Der soll mir vier zusätzliche Ohren und noch zwei Paar Hände annähen. Drei Paar Hände wären sicherlich auch praktisch, dann könnte ich gleichzeitig schreiben, Wäsche aufhängen und mir die Ohren zuhalten. Wobei ich dann ja noch zwei Paar Ohren offen hätte, aber keine weiteren Hände zum Zuhalten. Noch mehr Hände wären jedoch ungünstig, weil ich so nicht mehr auf der Seite schlafen könnte. Und die Kinder hätten Angst vor mir, wenn ich wie Frankensteins Monster aussähe. Sie würden sich nicht mehr in meine Nähe trauen, was die ganzen Hände und Ohren überflüssig machte. Egal wie ich es drehe und wende: es ist ein Teufelskreis. Ich weiß…