Corona-Chronik

„Test, Test, 1,2,3“

Für die Siebenjährige beginnen Schultage mit Tränen. Sobald sie sich mit dem Selbsttest-Tupfer in der Nase bohrt, laufen die Augen über und sie wird von Niesanfällen geschüttelt. Aber sie zieht das tapfer durch. An und für sich popeln Kinder ja ganz gerne. Aber das Reiben und Piksen und Kribbeln der Test-Tupfer ist schon fies, vor allem so früh am Morgen. Ich finde es beruhigend, sie getestet auf getestete Mitschüler loszulassen. Die negativen Kinder dürfen nun wieder den gesamten Schulhof nutzen und sich freier bewegen. An die Masken haben sie sich mittlerweile auch gewöhnt. Weniger beruhigend finde ich, dass in vielen Firmen immer noch nicht getestet wird. Laut einer Umfrage vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung bieten derzeit gerade mal ein Drittel der Firmen ihren Mitarbeitern einen Test pro Woche an. Die hohen Kosten seien gerade für mittelständische Unternehmen nicht tragbar, heißt es. Der Mittelstand will gegen die geplante Testpflicht klagen, heißt es. Der Staat will die Kosten für die Firmen-Tests nicht übernehmen, heißt es. Der Staat zahlt lieber 700 Millionen Euro Kurzarbeitergeld an Daimler. Deren Haupt-Anteilseignern in Kuweit und China geht es ja wegen der Pandemie auch nicht so dolle. Die können von dem Geld dann wiederum ihre Grundschulkinder testen lassen.
Ich bin müde und ein klitzekleinesbisschen zynisch. Warum können nicht alle mal für ein paar Wochen die Arschbacken zusammen kneifen und sich an die Spielregeln halten? Also, einmal so richtig? Warum lassen sich verschärfte Regeln in dieser Pandemie vor allem für diejenigen Bevölkerungsgruppen durchsetzen, die ohnehin nicht als Pandemietreiber gelten? Theater, Hotels, Restaurants sind seit November wieder dicht und die Zahlen gehen nicht runter. Seltsam. Ich bin keine Virologin, aber das konnte sogar ich prophezeien, weil die Studien zu diesem Thema eindeutig waren. Dann wurden die Läden zu gemacht. Und die Schulkinder waren gerade zwei Wochen ferienbedingt zu Hause und dürfen nur getestet in die Schule. Aber die Zahlen gehen nicht runter. Seltsam. Wir hatten im Dezember einen Handwerker im Haus, der ohne Maske unser marodes Bad inspizierte und, wie sich hinter her herausstellte, mit Corona infiziert war. Wir haben uns zum Glück nicht angesteckt, aber es wäre doch schön gewesen, wenn sein Arbeitgeber ihn vor Dienstantritt getestet hätte. Der Schornsteinfeger im Dorf meiner Freundin hatte Corona, was sich durchaus positiv auf die lokalen Fallzahlen ausgewirkt hat. Daran musste ich denken, als unser Schornsteinfeger kürzlich hustend und ohne Maske in unserem Flur stand. „Das ist bestimmt nur berufsbedingter Staubhusten“, sagte ich mir und war zu höflich, ihn zu bitten, eine Maske aufzusetzen. Aber ist doch gut, dass jetzt wenigstens die Schulkinder als Aushängeschilder der Symbolpolitik zweimal die Woche getestet werden. Dann können wir alle ruhiger schlafen.

Ein Kommentar

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    Conny Gruber

    Liebe Wiebke,
    wie recht du hast mit deiner Kritik an Corona Maßnahmen. Ich gehöre zwar auch nicht zu denen, die das politische Handeln bei Corona komplett verurteilen, aber rege mich gerade tierisch auf, weil bei uns in Bayern nur Grund- und Förderschullehrer geimpft werden, nicht die von höheren Klassen. Größere Kinder sind ja vernünftig, oder? Die Gefahr geht vom Achtjährigen aus, der heimlich Partys mit Freunden feiert, nicht von pubertierenden Kindern. Diese sitzen eh nur allein in ihrem Zimmer vor’m PC??
    Unser Schwiegersohn hat im Regulärbetrieb in einer Woche 500 Kinder im Gymnasium vor sich, die Grundschullehrerin vielleicht 40. Aber Impfung – nö. Er kann sich ja testen, damit er wenigstens merkt, wenn er sich angesteckt hat. Dagegen werden in Baden-Württemberg seit 22.2. alle Lehrer egal welcher Schule geimpft und die vielen, die ich dort kennen, haben die Impfung längst hinter sich.
    Habe meinen Frust gerade telefonisch beim Kultusministerium abgeladen und nun hier bei dir. Zumal die Öffentlichkeit das gar nicht so wahr nimmt. Neulich in einer Talkshow im NDR: „… das war damals, als die Lehrerin noch nicht geimpft war.“ Und keiner widersprach.
    Genauso verrückt finde ich es, wenn Wissenschaftler neuerdings sagen, dass die Ansteckung im Außenbereich recht gering ist, die Politik aber gnadenlos an Ausgangsbeschränkungen festhält, statt intelligent zu reagieren. Aha, wir müssen nachjustieren und die Maßnahmen modifizieren.
    Oder wenn nur 1 Person das Enkelkind besuchen darf, sie kommt aber heim zum Ehepartner, der einsam zurückbleiben muss und das Virus ggf. dann von ihr übernimmt. Mit solchen Entscheidungen wird das Übertreten von Maßnahmen gefördert, weil wir „normalen“ Leute manchmal mit mehr gesundem Menschenverstand an die Dinge rangehen als die Politik.
    Grrr. Aber immerhin scheint heut die Sonne, also nicht unterkriegen lassen.
    Alles Liebe Conny

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