Kinder

Küssen ist ekelhaft

Küssen ist ekelhaft. Das ergab eine repräsentative Umfrage der unter 13-Jährigen in diesem Haus. Die Tatsache, dass beim Küssen Speichel den Besitzer wechselt, wurde als besonders widerlich eingeordnet.
„Spuckt man dann hinterher aus?“, fragt Kind Nr. 1, das hier nicht weiter spezifiziert werden soll, weil das Thema ja absolut oberpeinlich ist.
„Nee, man schluckt das einfach runter“, sage ich.
Alle Anwesenden machen Würgegeräusche.
„Und man steckt sich wirklich gegenseitig die Zunge in den Mund?“
„Japp.“
Entsetzte Blicke.
„Dann lässt man den anderen ja in seinen Körper rein.“
„Das ist quasi Sinn der Sache. Und eine Art Vorübung.“
„Für was denn?“
„Das besprechen wir ein andermal.“
„Ich weiß gar nicht, was daran so schlimm sein soll“, sagt die Siebenjährige, die durchaus namentlich genannt werden möchte. „Ich lasse ja auch Brot in meinen Körper rein. Dabei mag ich gar kein Brot.“
„Im Idealfall sollte man sich auch nur von jemanden küssen lassen, den man wirklich gerne mag“, sage ich weise.
„Und was ist, wenn der stinkt?“
„Wenn man in jemanden verliebt ist, findet man auch seinen Geruch himmlisch.“
„Ich finde, Jungs müffeln immer.“
„Ja, aber das verwächst sich. Im Idealfall.“, sage ich und denke etwas sehnsüchtig an die Zeit zurück, als meine Tage noch so leer waren, dass sie sich mit stundenlangem Küssen füllen ließen. Wobei ich nach den entsetzten Blicken der Kinder das Konzept Küssen zu hinterfragen beginne. In Zeiten, wo schon Umarmungen verpönt sind, hat auch das Küssen seine Unschuld verloren. Bestimmt kommt bald ein Pandemie-Thriller raus mit dem Titel: „Der Speichel der Anderen“. Ab heute trage ich auch beim Küssen Mundschutz.

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