Kinder

Hier sieht’s aus wie im Kindergarten

Der Sechsjährige legt einen Haufen schmutzige Kiesel auf den Telefontisch im Flur.
„Wieso legst du die da hin?“, fragt Friedolin.
„Na, zur Deko.“
„Und was hast du damit vor?“
Der Sechsjährige schaut seinen Vater verständnislos an.
„Nix. Die liegen einfach da. Zur Verschönerung.“
Womit er den Sinn von Dekoartikeln ja ziemlich gut auf den Punkt gebracht hat.

Ich betrachte die schmutzigen Kiesel und frage mich, ob sie für die diesjährige Herbstdeko wohl ausreichen. Mit dem Dekofeuerwerk der anderen Frauen des Dorfes kann ich ohnehin nicht mithalten. Mit all den kunstvollen Gestecken, ästhetischen Kränzen und motivierenden Sprüchetafeln. „UNSER HAUS IST VOLLER LIEBE, FREUDE UND LEBEN.“
Unser Haus sieht immer aus, als hätte der Wind einen Haufen knallbunten Müll in den Vorgarten geweht. Das kommt davon, wenn man Kinder beim Dekorieren mithelfen lässt. Immerhin sehen die Nachbarn so nicht, dass sich unter dem kindlichen Deko-Eifer noch zwei Ostereier und ein Weihnachtswichtel verstecken.
Unsere Nachbarin dekoriert grundsätzlich ohne ihren Nachwuchs.
„Sonst sieht es hier ja aus wie im Kindergarten“, sagt sie.
Bei uns sieht es ohnehin aus, wie in einem Kindergarten, da würde Erwachsenen-Deko auch nicht weiter helfen.

„Kannst du die Kiesel nicht wenigstens in dein Zimmer bringen?“, fragt Friedolin.
„Da sieht sie ja keiner“, sagt der Sechsjährige.
„Auf dem Telefontisch stören sie aber.“
„Das ist auch mein Haus und ich finde, die liegen da genau richtig“, sagt der Sechsjährige und geht spielen. Und da hat er irgendwo auch wieder recht. Denn schließlich sind es unsere Kinder, die unsere inneren und äußeren Räume mit Leben füllen. Da sollten sie diese auch schmücken dürfen.

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