• Allgemein

    Putin fluten

    Der Sechsjährige hat ein neues Lieblingsspiel. Es heißt „Putin fluten“. Dazu baut er Landschaften im Sandkasten, die aus lauter Mooren, bröckeligen Steilkanten und trockenen Flussbetten bestehen. Dann verteilt er Schilder mit der Aufschrift:„Für Bösewichte garantiert ungefährlich!“Das liest sein Playmobil-Putin und denkt sich: „Na, dann kann ich da ja wohl spazieren gehen…“Und versinkt prompt bis zum Hals im Moor. Oder fällt von der Steilkante. Oder wird von einer Flutwelle aus der Schwengelpumpe weggespült.„Und, zack, ist der Krieg zu Ende“, sagt der Sechsjährige und strahlt.Mein sonst so sanftmütiger Sohn, der jede Feuerwanze vor unachtsamen Schritten rettet und dem selbst Disneyfilmen zu aufregend sind, wird durch den Krieg zum Playmobil-Attentäter. Ein Teil von…

  • Corona-Chronik

    Ich hab ja sonst nix zu tun

    Das schlimmste an unserer persönlichen Corona-Erfahrung? Nächtliche Hustenattacken bis zur Atemnot? Ich bitte euch. Schweißausbrüche und Schüttelfrost? Peanuts. Brennende Halsschmerzen? Nope. Wirklich schlimm fand ich es, mich mit vier kranken Familienmitgliedern völlig hilflos zu fühlen. Weil es so schwierig ist, hier auf dem Land an PCR-Tests zu kommen, weil jede Hotline andere Auskünfte erteilt und man für verantwortungsbewusstes Handeln auch noch angemotzt wird. Tag 5 Quarantäne Friedolin, posiviter Schnelltest Achtjährige. Corona-Hotline Nr 1: „Sie müssen auch mit ihrem Kind auf jeden Fall einen PCR-Test machen.“ Montag morgen, MVZ, Nachbarstadt, nach 15 Min. Warteschleife: „Sie bekommen für ihre Tochter nur einen PCR-Test, wenn sie ein positives Testergebnis aus einem offiziellen Testzentrum…

  • Corona-Chronik

    Gerade fallen wir hier um wie die Kegel. Zuerst hatte Friedolin schlimm Corona. Also geimpft schlimm. Männerschnupfenschlimm.„Mach dich ruhig lustig, der zweite Teststrich war ganz schön rot.“Er rief nach mir, mit kläglicher Grabesstimme, aus den stickigen Tiefen seines Zimmers:„Kannst du mir noch einen Tee mit Honig machen?“Vier Tage bekam er Zimmerservice ans Bett, Tabletts voller Vitamine und Heißgetränke und Blumenvasen, ich fühlte mich wie ein in die Jahre gekommenes Serviermädchen mit FFP2-Maske und ausgeleierten Leggins. Dazwischen Homeschooling mit zwei hibbeligen Grundschulkindern, arbeiten, Hühner, Kaninchen, Meerschweinchen füttern, mit dem Hund Gassi gehen und bloß nicht in den Spiegel schauen.Dann fiel die Achtjährige um.„Mama, ich hab so schlimmen Husten, ich kann gar…

  • Corona-Chronik

    Tage in Corona … jetzt aber wirklich!

    Ich möchte auf den Arm. Aber Friedolin kann gerade nicht. Der möchte auch auf den Arm.Abgesehen davon hat mich Friedolin noch nie auf den Arm genommen. Für meine brünhildemäßigen 1,78 Meter reichen selbst seine Bärenkräfte nicht. Wobei ich der Überzeugung bin, dass es mit mangelnder Hingabe zu tun hat. Er ist nämlich durchaus in der Lage, den massiven Hühnerstall allein durch den Garten zu tragen. Oder tote Eichen im Wald umzuschubsen. Aber bei mir schwächelt er sofort. Gerade hat er zur Abwechslung mal eine gute Ausrede. Er hat Corona.Natürlich bemitleiden wir ihn angemessen, pflegen und versorgen ihn. Die Kinder schieben hinreissende Buntstiftkunstwerke unter seiner Tür durch und wünschen ihm 20…

  • Winter

    Neues Licht

    Wir baden in der gleißenden Wintersonne. Die von Raureif überzogenen Felder glitzern wie ein Meer aus Kristall. Die Kinder schlittern jubelnd über zugefrorene Pfützen und lauschen dem Knirschen ihrer Schritte auf dem vereisten Gras. Sie werfen Hände voll fein verharschten Schnees in die Luft und umhüllen sich mit dem funkelnden Niederschlag aus Eiskristallen. Nach den trüben Regentagen und der Dunkelheit des Winters fühlt sich das erstarkte Licht wie ein Segen an, der Körper und Seele mit neuer Kraft erfüllt. Im alten Glauben macht der Sonnenhirsch zu Lichtmess einen Sprung, die Tage ab Anfang Februar werden spürbar länger. Schon jetzt haben wir eine Stunde mehr Sonnenlicht als noch zur Wintersonnenwende. Das…

  • Gesellschaft

    Staub der Geschichte

    Wir spielen heute das Staubwisch-Spiel. Dazu verstecke ich schöne Knöpfe im Wohnzimmer an besonders staubigen Stellen und die Kinder machen sich mit Staubtüchern bewaffnet auf, um die Knöpfe zu finden. Manchmal ist auch ein Euro im Zimmer versteckt, an Stellen, die eigentlich immer vergessen werden. Die Kinder finden dieses Spiel ganz wunderbar. Und ich spare mir das Staubwischen. Die Idee dazu habe ich aus einem Buch, „Die Mädchenfamilie“ von Sydney Taylor. Ich habe dieses Buch als Kind geliebt und bestimmt 20 Mal gelesen. Es handelt von dem Leben der jüdischen Familie Pfäffling in New York um 1912. Wegen dieses Buches wollte ich als Kind zum Judentum konvertieren. Die Beschreibungen der…

  • Winter

    Wintersonnenwende

    Wintersonnenwende. Die Erde hält den Atem an. Tiefe Dunkelheit umhüllt uns vom Nachmittag bis weit in den Morgen hinein. In unserem Haus haben die Rauhnächte begonnen. Nach christlichem Brauch dauern sie vom 25. Dezember bis zum Dreikönigstag. Wir beginnen bereits mit der Thomasnacht am 20.12., dem Vorabend der Wintersonnenwende. Die Siebenjährige wanderte gestern Abend im Kerzenschein mit dem Räucherpfännchen durch unser Haus. Auf einem Stück Kohle verbrannten wir Beifuß, Wacholder, Fichtenharz und Johanniskraut, Boten des vergangenen Sommers. Der Fünfjährige fächerte mit seiner Schwanenfeder den Rauch in jede Ecke. Natürlich nicht ohne anzumerken, dass er auch bald groß genug sei, das Räucherpfännchen zu halten. Räuchern hilft, das Haus vom Ballast des…

  • Winter

    Durch das Windauge

    Die Kinder können sich nicht entscheiden, ob sie ihre Wunschzettel an das Christkind oder den Weihnachtsmann schicken sollen. Himmelsthür, eines der irdischen Weihnachtspostämter, ist nicht weit von uns. Dorthin könnten wir die Wunschzettel per Post schicken und auf Antwort vom Weihnachtsmann hoffen. Aber die Kinder sind dagegen.„Der Brief kommt doch eh nicht vom echten Weihnachtsmann“, sagt die Siebenjährige abgeklärt. Sie unterscheiden streng zwischen menschlichen Helfern und den echten Weihnachtsgestalten.Als am Abend des 5. Dezember der Nikolaus bei uns klingelte und von seinem voll beladenen Karren Äpfel und Lollis an die Kinder verteilte, waren sie sich sicher: Das war nur ein menschlicher Helfer. Erstens trug er einen Mundschutz und zweitens waren…

  • Winter

    Barbaras Rute

    „Mein Zweig blüht immer noch nicht!“, sagt der Fünfjährige und betrachtet ungehalten seinen Barbarazweig.„Die sollen ja auch erst an Weihnachten blühen, du Dulli“, sagt die Siebenjährige. „Mama, wie lange noch bis Weihnachten?“„24-20“, sage ich. Die Siebenjährige tut sich immer noch schwer mit Kopfrechnen, da muss ich jede Gelegenheit nutzen.„Also, wie lange noch?“, fragt der Fünfjährige.„Einen Tag weniger als gestern“, sagt die Siebenjährige und verlässt den Raum.In diesem Jahr haben wir uns mit der grünen Kraft von Birne, Pfirsich, Apfel und schwarzer Johannisbeere eine Vorahnung von Frühling ins warme Haus geholt. Die Kinder haben sich Zweige von ihren Taufbäumen geschnitten, Friedolin haben wir auch einen Zweig mitgebracht. Er hat es nicht…

  • Winter

    Adventmorgen

    Im Advent hält jeder Morgen ein kleines Wunder bereit. Die Kinder sitzen meist schon hellwach und aufgeregt flüsternd in ihren Betten, wenn ich in tiefer Dunkelheit verschlafen in ihr Zimmer komme. Sie rätseln, welche Überraschung heute in ihren Adventskalendern auf sie wartet. Dann springen sie fröhlich aus den Betten und machen sich auf die Suche nach unserem frechen Weihnachtself. Den „Elf on the Shelf“ haben wir von unserer Nachbarin geschenkt bekommen. Er wandert jede Nacht durch unser Haus und stellt allerlei Unsinn an. Mal sitzt er am Morgen auf dem Nikolausteller der Kinder mit einer Salzbrezel in der Hand, mal ist er das Treppengeländer runter gerutscht und hat dabei einen…