• Allgemein

    Einbahnstraße

    Ihr Lieben, vielleicht wundert Ihr Euch, wo die Kommentarfunktion geblieben ist? Ich musste sie leider deaktivieren, weil die Spams so überhand genommen haben und ich langsam genug hatte von all den Zauberwirkern, die mir meinen Mann per Whats-App zurück bringen wollten. Also wirklich. Mein Mann hat mich ja nicht verlassen. Ich finde ihn bloß nie, wenn ich ihn brauche. Friedolin kriegt seltsamerweise nie solche Spams. Nur Penisverlängerungsangebote. Für die hat er allerdings eine automatische Antwort-Email parat mit dem Betreff: „Penisverlängerung? Eulen nach Athen tragen.“Ich danke Euch für all Eure lieben und weisen und lustigen und inspirierenden Kommentare und hoffe nach wie vor, wenn ich die eine oder den anderen von…

  • Sommer,  Urlaub

    FKK

    Ich hätte mir doch einen neuen Bikini kaufen sollen, denke ich, während ich mit den Kindern in der Nordsee bade und bei jeder Welle meinen ausgeleierten Badeanzug festhalten muss, damit er nicht Körperteile freilegt, die besser bedeckt bleiben sollten. Hinter uns auf dem Deich schwitzen dicht an dicht die Urlauber. Nach der Weite Brandenburgs überfordert uns diese Menschenansammlung. Dabei sind wir noch nicht einmal an einem der touristischen Hot Spots sondern in Dithmarschen, das vor allem für seine Kohlfelder berühmt ist. Tagsüber verkriechen wir uns im kühlen Haus von Friedolins Großeltern. Abends kommen wir mit der Flut zum überfüllten Deich. Bei so viel Publikum habe ich sicherheitshalber ein Frühwarnsystem installiert.„Mama,…

  • Sommer

    9-Euro Sauna

    Wir warten am Bahngleis in glühender Hitze auf unseren Zug zu den Großeltern. Der einfahrende Regionalexpress hält mit sensationell quietschenden Bremsen. Die Kinder halten sich die Ohren zu.„Das klingt, als ob ein Riese mit einer Riesengabel über einen Teller kratzt“, ruft die Neunjährige.„Deshalb heißt es auch, ich versteh nur Bahnhof“, kontert der Siebenjährige.Eigentlich stammt die Redewendung jedoch aus der Zeit des Ersten Weltkriege, wo das Wort Bahnhof für die Soldaten bedeutete, dass sie endlich nach Hause durften. Sie konnten an nichts anderes mehr denken als dieses Zauberwort, verstanden also immer nur Bahnhof.In unserem völlig überfüllten Nahverkehrszug ist die Klimaanlage ausgefallen und ich denke auch nur noch: Bahnhof. Bahnhof. Bahnhof. Die…

  • Allgemein

    Putin fluten

    Der Sechsjährige hat ein neues Lieblingsspiel. Es heißt „Putin fluten“. Dazu baut er Landschaften im Sandkasten, die aus lauter Mooren, bröckeligen Steilkanten und trockenen Flussbetten bestehen. Dann verteilt er Schilder mit der Aufschrift:„Für Bösewichte garantiert ungefährlich!“Das liest sein Playmobil-Putin und denkt sich: „Na, dann kann ich da ja wohl spazieren gehen…“Und versinkt prompt bis zum Hals im Moor. Oder fällt von der Steilkante. Oder wird von einer Flutwelle aus der Schwengelpumpe weggespült.„Und, zack, ist der Krieg zu Ende“, sagt der Sechsjährige und strahlt.Mein sonst so sanftmütiger Sohn, der jede Feuerwanze vor unachtsamen Schritten rettet und dem selbst Disneyfilmen zu aufregend sind, wird durch den Krieg zum Playmobil-Attentäter. Ein Teil von…

  • Corona-Chronik

    Tage in Corona … jetzt aber wirklich!

    Ich möchte auf den Arm. Aber Friedolin kann gerade nicht. Der möchte auch auf den Arm.Abgesehen davon hat mich Friedolin noch nie auf den Arm genommen. Für meine brünhildemäßigen 1,78 Meter reichen selbst seine Bärenkräfte nicht. Wobei ich der Überzeugung bin, dass es mit mangelnder Hingabe zu tun hat. Er ist nämlich durchaus in der Lage, den massiven Hühnerstall allein durch den Garten zu tragen. Oder tote Eichen im Wald umzuschubsen. Aber bei mir schwächelt er sofort. Gerade hat er zur Abwechslung mal eine gute Ausrede. Er hat Corona.Natürlich bemitleiden wir ihn angemessen, pflegen und versorgen ihn. Die Kinder schieben hinreissende Buntstiftkunstwerke unter seiner Tür durch und wünschen ihm 20…

  • Corona-Chronik

    Gerade fallen wir hier um wie die Kegel. Zuerst hatte Friedolin schlimm Corona. Also geimpft schlimm. Männerschnupfenschlimm.„Mach dich ruhig lustig, der zweite Teststrich war ganz schön rot.“Er rief nach mir, mit kläglicher Grabesstimme, aus den stickigen Tiefen seines Zimmers:„Kannst du mir noch einen Tee mit Honig machen?“Vier Tage bekam er Zimmerservice ans Bett, Tabletts voller Vitamine und Heißgetränke und Blumenvasen, ich fühlte mich wie ein in die Jahre gekommenes Serviermädchen mit FFP2-Maske und ausgeleierten Leggins. Dazwischen Homeschooling mit zwei hibbeligen Grundschulkindern, arbeiten, Hühner, Kaninchen, Meerschweinchen füttern, mit dem Hund Gassi gehen und bloß nicht in den Spiegel schauen.Dann fiel die Achtjährige um.„Mama, ich hab so schlimmen Husten, ich kann gar…

  • Corona-Chronik

    Ich hab ja sonst nix zu tun

    Das schlimmste an unserer persönlichen Corona-Erfahrung? Nächtliche Hustenattacken bis zur Atemnot? Ich bitte euch. Schweißausbrüche und Schüttelfrost? Peanuts. Brennende Halsschmerzen? Nope. Wirklich schlimm fand ich es, mich mit vier kranken Familienmitgliedern völlig hilflos zu fühlen. Weil es so schwierig ist, hier auf dem Land an PCR-Tests zu kommen, weil jede Hotline andere Auskünfte erteilt und man für verantwortungsbewusstes Handeln auch noch angemotzt wird. Tag 5 Quarantäne Friedolin, posiviter Schnelltest Achtjährige. Corona-Hotline Nr 1: „Sie müssen auch mit ihrem Kind auf jeden Fall einen PCR-Test machen.“ Montag morgen, MVZ, Nachbarstadt, nach 15 Min. Warteschleife: „Sie bekommen für ihre Tochter nur einen PCR-Test, wenn sie ein positives Testergebnis aus einem offiziellen Testzentrum…

  • Herbst

    Verarmungswahn

    Friedolin hat entschieden, dass wir erst im Winter heizen. Weil der Gaspreis um 11 Prozent gestiegen ist.„Aber ich hab so kalte Füße“, sagt der Sechsjährige.Friedolin bleibt eisern. „Dann zieh halt noch ein paar Strümpfe drüber.“„Ich hab schon zwei Paar an.“In unserem Haus läuft alles mit Gas: Heizung, Warmwasser, Herd.Also wird Duschen und Kochen auch rationalisiert.„Die Nudeln sind heute aber knackig“, sagt die Achtjährige und zerbeißt geräuschvoll die halbgaren Nudeln.„Genieß deine Spaghetti, so lange es noch welche gibt. Der Nudelpreis soll auch steigen“, sagt Friedolin.Unser altes Fachwerkhaus ist ohnehin immer kalt, aber langsam nimmt es arktische Ausmaße an.„Kriegen wir wenigstens einen Eisbären als Haustier?“, fragt der Sechsjährige bibbernd.Die Kinder gehen in…

  • Winter

    Neues Licht

    Wir baden in der gleißenden Wintersonne. Die von Raureif überzogenen Felder glitzern wie ein Meer aus Kristall. Die Kinder schlittern jubelnd über zugefrorene Pfützen und lauschen dem Knirschen ihrer Schritte auf dem vereisten Gras. Sie werfen Hände voll fein verharschten Schnees in die Luft und umhüllen sich mit dem funkelnden Niederschlag aus Eiskristallen. Nach den trüben Regentagen und der Dunkelheit des Winters fühlt sich das erstarkte Licht wie ein Segen an, der Körper und Seele mit neuer Kraft erfüllt. Im alten Glauben macht der Sonnenhirsch zu Lichtmess einen Sprung, die Tage ab Anfang Februar werden spürbar länger. Schon jetzt haben wir eine Stunde mehr Sonnenlicht als noch zur Wintersonnenwende. Das…

  • Gesellschaft

    Staub der Geschichte

    Wir spielen heute das Staubwisch-Spiel. Dazu verstecke ich schöne Knöpfe im Wohnzimmer an besonders staubigen Stellen und die Kinder machen sich mit Staubtüchern bewaffnet auf, um die Knöpfe zu finden. Manchmal ist auch ein Euro im Zimmer versteckt, an Stellen, die eigentlich immer vergessen werden. Die Kinder finden dieses Spiel ganz wunderbar. Und ich spare mir das Staubwischen. Die Idee dazu habe ich aus einem Buch, „Die Mädchenfamilie“ von Sydney Taylor. Ich habe dieses Buch als Kind geliebt und bestimmt 20 Mal gelesen. Es handelt von dem Leben der jüdischen Familie Pfäffling in New York um 1912. Wegen dieses Buches wollte ich als Kind zum Judentum konvertieren. Die Beschreibungen der…