Corona-Chronik

Ausschlafen

8,5 Stunden Schlaf braucht der Mensch. Und nicht 7,5 wie bisher angenommen. Zumindest, wenn man den Forschungsergebnissen verschiedener Schlafstudien glaubt, die das Schlafverhalten ihrer Probanden zwischen April 2019 und 2020 verglichen hatten. Die Probanden hatten ihren Nachtschlaf im Lockdown ohne feste Termine und Zeitdruck nach und nach auf 8,5 Stunden verlängert. War für mich jetzt keine Überraschung. Ich brauche sogar eher 9 Stunden. Dann starte ich wirklich entspannt und glücklich in den Tag. Denn diese luxuriöse neunte Stunde ist für mich die Zeit des erinnerten Träumens, vor allem im Halbschlaf in den späten Morgenstunden sind es wunderbare Träume, die mich warm und wohlig aufwachen lassen. Meistens bekomme ich aber höchstens 7 Stunden und stehe latent schlafverkatert auf. Das ist ja dieser fürchterliche Zwiespalt von uns Eltern. Um auf genügend Schlaf zu kommen, müssten wir eigentlich kurz nach den Kindern ins Bett gehen, haben dann aber kaum Zeit für uns. Oder wir genießen die kinderfreien Abendstunden in vollen Zügen und bekommen die Quittung am nächsten Morgen, wenn ebendiese Kinder im Gegensatz zu uns ausgeschlafen und quietschvergnügt mit Tempo 180 in den Tag starten.
Deshalb habe ich bei uns die 5-2-Regel eingeführt. Ich stehe fünf Tage unter der Woche mit den Kindern um 6:30 Uhr auf, dafür darf ich am Wochenende bis 9 Uhr schlafen. Friedolin kommt dabei ziemlich gut weg, weil er selbst am Wochenende nur kurz aufstehen muss, um den Kindern ein Hörbuch anzumachen und sich dann auch wieder hinlegt. Aber früher durfte ich nie ausschlafen, weil immer irgendwer ins Schlafzimmer gepoltert ist oder auf dem Flur Trompete geübt hat oder mich ganz dringend fragen musste, wo denn die Pflaster sind. Diese neue Regel ist so offensichtlich ungerecht, dass sich die Kinder und selbst Friedolin eisern dran halten. Zum Dank haben sie am Wochenende eine selten gut gelaunte und entspannte Mutter.
Im Winter sollte man das Bett eigentlich ohnehin nur in dringenden Fällen verlassen. Um bei einem Winterspaziergang die tägliche Dosis Lux zu tanken. Oder einen riesigen Teller Spaghetti zu verdrücken. Oder um auf die Toilette zu gehen. Unsere Hühner machen es genau richtig, die verlassen um 8 Uhr ihren Stall, dann Frühstück, Körperpflege, eine Weile durch den Garten flanieren und spätestens um 17 Uhr hocken sie wieder auf ihrer Stange. So könnte man doch den Winter und den Lockdown wunderbar aussitzen.

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