Kinder

Pick your battles!

„Wie spricht denn ein Roboter?“, fragt Friedolin die Kinder beim Abendessen. Die Siebenjährige öffnet den Mund, heraus kommt ein bombastischer Rülpser. Erschrocken schlägt sie die Hände vor den Mund. Alle starren sie an. Dann explodieren wir in einem kollektiven Lachanfall. Der Fünfjährige fällt vor Lachen vom Stuhl und die Siebenjährige auf der Küchenbank um.
„Wer hätte gedacht, dass aus einem so zarten Mädchen ein so lauter Rülpser kommen kann“, sage ich und wische mir eine Träne aus dem Auge.
„Klang doch astrein nach Roboter“, sagt Friedolin und wir kichern wieder los.
Ich persönlich finde es ja immer zum Piepen, wenn kleine Kinder unabsichtlich rülpsen. Neulich war jedoch ein Gastkind zum Essen bei uns und der Fünfjährige sagte:
„Kann ich mal den Quark?“
Wobei das Wort Quark auf der Welle eines grandiosen Rülpsers surfte. Wieder konnten wir nicht anders, als loszulachen. Wenn der Fünfjährige aus Versehen rülpsend spricht, klingt er einfach immer so herrlich absurd, als wäre er 50 und nicht 5. Oder ein ziemlich dicker Ochsenfrosch. Unser Gastkind schaute jedoch verunsichert von einem zum anderen und sagte: „Bei uns wird immer geschimpft, wenn wir rülpsen. Wir lachen da nicht drüber.“
Betreten schauten wir uns an.
„Auch, wenn ihr aus Versehen rülpst?“, fragte ich vorsichtig.
„Ja, rülpsen darf man nicht.“
„In China schon“, krähte der Fünfjährige.
„Jede Familie ist halt anders“, sagte ich beschwichtigend.

Wir reden oft darüber, dass überall auf der Welt andere Sitten herrschen. Und auch in jedem Zeitalter. Die Kinder kringelten sich vor Lachen über das angebliche Luther-Zitat: „Warum rülpset und furzet ihr nicht? Hat es euch nicht geschmacket?“ Ich möchte unseren Kindern nicht einreden, dass vollkommen natürliche körperliche Vorgänge etwas sind, für das sie sich schämen müssen. Weder Rülpsen, noch Pupsen, noch die Regelblutung oder Körperhaare. Natürlich wissen sie, was Manieren sind und dass sie sich im Restaurant anders verhalten müssen als Zuhause.
Als die Kinder noch kleiner waren, ertappte ich mich oft dabei, sie maßregeln zu wollen. Und kam mir vollkommen fremd gesteuert vor. Dann habe ich mich gefragt: „Ist es mir wirklich wichtig, dass meine Kinder sich so verhalten? Oder gebe ich nur Regeln weiter, die ich selbst so gelernt habe? Und meine Eltern vor mir? Und die vielleicht gar nicht mehr zeitgemäß oder in unserem Leben vollkommen unwichtig sind?“ Ich stellte fest, dass mir ziemlich viele Regeln ziemlich egal sind. Danach war ich eine deutlich entspanntere Mutter. Mir ist es wichtig, dass unsere Kinder einen freundlichen Umgangston haben, respektvoll mit allen Lebewesen sind und vor allem frei im Herzen und glücklich. Es gibt immer noch genügend Gründe, warum ich mit ihnen schimpfe. Wenn sie sich auf der Treppe schubsen. Oder mit Spaten werfen. Oder absichtlich gemein sind. Pick your battles, lautet dabei mein Motto. Und Rülpsen gehört definitiv nicht zu den Schlachten, die ich schlagen möchte.

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