Kinder

Essen mit Kindern

Unsere Kinder haben seltsame Essensvorlieben. Eines der ersten Wörter unserer Tochter war: „Cornichon“. Das konnte sie noch vor „Papa“ sagen. Man muss ja Prioritäten setzen. Wohingegen es Orange, Kiwi und Mandarine bis heute nicht in ihr Vokabular geschafft haben. Zitrusfrüchte heißen bei ihr einfach: Mag ich nicht. Sie mag keinen Kakao, dafür aber Oliven und strengen Käse. Immerhin konnten wir ihr beibringen, dass auf die Frage:
„Möchtest du einen Kakao, meine Kleine?“
„Nein, aber zu einem Stück Roquefort würde ich nicht nein sagen“, nicht die adäquate Antwort einer Sechsjährigen ist. Unser Sohn bastelt sich sein Essen gern selbst. Er zermatscht gekochte Kartoffeln und Erbsen in seinen Fäusten zu Bällchen, wendet sie im Sesam der Salatsoße, legt sie auf eine Scheibe Räuchertofu und schiebt sie sich genüsslich in den Mund. Viel mehr bringt manch Fernsehkoch auch nicht zustande. Beide Kinder sind sich einig, dass man Gemüse nicht im gekochten Zustand essen sollte. Und dass nur Verschwörungstheoretiker der Meinung sind, jeden Tag Nudeln essen sei ungesund. Eigentlich sind sie Kaninchen. Im Sommer hoppeln sie durch den Garten und knabbern alles an: Fenchelkraut, Spinat, Zuckererbsen, Kohlrabi, Möhren. Aber sobald das Gemüse auf ihrem Teller landet, schieben sie es missmutig mit ihren Pfoten hin und her. Also spielen wir Räuberessen. Wir schicken die Kinder zum Toben in den Garten und sobald sie außer Sichtweite sind, rufen wir theatralisch: „Hoffentlich klaut keiner die Paprika von meinem Teller…“ Dann schauen wir demonstrativ in die andere Richtung, bis die Kinder das Gemüse räubern und kichernd hinter der Kräuterspirale verspeisen. Auf diese Weise kriegen wir Wagenladungen von Vitaminen in sie hinein. Seitdem können wir allerdings nicht mehr mit ihnen ins Restaurant. Heute koche ich mit den Kindern „Tomatensoße“. Ich habe ihnen all die Jahre erfolgreich verschwiegen, dass meine sogenannte „Tomatensoße“ in Wirklichkeit eine wilde Mischung aus Gemüse ist, das die Kinder niemals freiwillig essen würden. Wozu besitze ich denn einen leistungsstarken Stabmixer? Aber es ist Corona und ich kann nicht mehr heimlich kochen. Zum Glück sind die Kinder so beschäftigt damit, Zwiebeln und Zucchini zu schneiden, Knoblauch zu pressen, Möhren zu reiben, Kräuter zu mörsern und Linsen zu waschen, dass sie gar nicht in Frage stellen, was das ganze noch mit Tomatensoße zu tun hat. Als der Vierjährige am Ende mit dem Stabmixer die Küchenwand dekoriert, schmeckt das Essen gleich nochmal so gut.

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