Corona-Chronik,  Urlaub

Wir spielen Hotel

Es sind Ferien und wir brunchen in unserem heimischen Privat-Hotel. Friedolin mimt den Küchenchef, bei dem man sich wünscht, dass er ein Haarnetz tragen würde. Ich spiele den schlechtgelaunten Gast, der von der Putzkolonne geweckt wurde, weil er vergessen hat das „Bitte nicht stören“-Schild an die Tür zu hängen. Unsere Tochter sitzt am Eingang zum Speisesaal und fragt nach der Zimmernummer.
„Mein Zimmer hat gar keine Nummer“, sagt der Vierjährige verwirrt.
„Dann darfst du hier auch nicht rein“, sagt die Große streng. Sie hat oft erlebt, wie ich auf Tour übernächtigt die Zimmernummer nicht wusste, weil wir ja jede Nacht das Hotel wechseln. Der Vierjährige ist kurz vorm Weinen. Dabei hat das Spiel gerade erst angefangen.
„Dann denk dir halt eine Zimmernummer aus“, sagt die Maître d‘hôtel gnädig.
„1000“, ruft er stolz.
„So viele Zimmer hat unser Hotel gar nicht.“
Daraufhin boxt er der Maître d‘hôtel in den Bauch. Sie kneift ihm in den Arm. Beide heulen. Theoretisch habe ich immer so gute Ideen. Praktisch stehe ich dann fassungslos davor, was meine Familie daraus macht. Schließlich einigen wir uns auf Zimmer Nr. 3 und dürfen rein. Das Buffett ist fantastisch. Die Kinder durften sich drei Dinge aussuchen, die es sonst nur im Hotel gibt. Sie waren sich sofort einig: Babybel, Lachs und essbare Marmeladenschälchen. Die klauen sie immer vom Buffet und knabbern sie wie Kekse. Die Ökodiktatorin in mir zuckt zusammen: der ganze Verpackungsmüll für einen winzigen Käse, noch nichtmal Bio und die Überfischung der Meere! Aber es ist Corona und der Nachwuchs soll glücklich sein. Nach dem Frühstück gehen wir an den Strand. Die Kinder haben ein altes Ofenrohr gefunden und mit der Schwengelpumpe hinten im Garten verbunden. So können sie den Sandkasten fluten und Gezeiten erzeugen. Sie bauen einen Steg aus Holzresten und verteilen Muscheln und Treibholz vom letzten Dänemark-Urlaub im Wattenmeer, während Friedolin und ich in der Sonne Kaffeetrinken. Als der Vierjährige dann noch kopfüber ins geflutete Hafenbecken plumpst, ist die Urlaubsstimmung vollkommen. Wie schön für uns und den Planeten, dass wir dank Corona nicht wegfahren durften.

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