Frühling

Schwanensee

Die Kinder stehen auf dem sandigen Hügel, die Arme ausgebreitet, die Köpfe der Sonne zugewandt. Über ihnen der weite, blaue Himmel, hinter ihnen leuchtet auf einer Anhöhe die Marienburg im Frühlingslicht. Sie lachen laut auf vor Freude und schrecken damit die Schwäne auf, die bis eben noch gemächlich ihre Kreise auf dem glitzernden Kiesteich am Fuß des Hügels zogen. Mit gewaltigen Flügelschlägen stoßen sich neun Schwäne von der Wasseroberfläche ab und erheben sich in die Luft. Sie beschreiben eine kreisförmige Flugbahn über dem Teich, gewinnen langsam an Höhe und steuern genau auf den Hügel zu, auf dem die Kinder stehen. Mit kraftvollem Pfeiffen brausen sie dicht über den Köpfen der Kinder hinweg, der Fünfjährige geht in Deckung, die Siebenjährige streckt zögerlich eine Hand nach ihnen aus und sieht ihnen nach, bis sie sich in der Ferne auf einem anderen See niederlassen. Ich denke: Verdammte Axt, warum habe ich bloß die Kamera nicht eingepackt! Und bin gleichzeitig froh darüber, weil ich so jede Sekunde dieses Momentes in mich aufnehmen konnte. Die weißen Bäuche der Schwäne über mir, die golden leuchtenden Haare der Kinder in der Sonne, ihr Lachen, ihre Lebensfreude. Der Mai ist gekommen und wenn ich die Zeichen richtig deute, wird es ein guter Monat.

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