unser Garten

Arach, nee!

Meine Spinnenphobie ist erfolgreich therapiert. An dieser Stelle möchte ich allen Freiwilligen danken, die sich in den letzten Jahren an meiner unfreiwilligen Konfrontationstherapie beteiligt haben. Allen voran den Heerscharen von Zitterspinnen, die bisher jede meiner Wohnungen bevölkerten, was sicher nicht als Zufall gewertet werden kann. Besonders hervorheben möchte ich hierbei die Zitterspinne, die am Abend des Einzugs in meine erste gemeinsame Wohnung mit Friedolin aus der über der Badewanne befindlichen Therme direkt auf meinen nackten, in der Badewanne befindlichen Bauch fiel, was mich zwar zu dem damaligen Zeitpunkt der Therapie noch dazu bewegte, walfischartig aus der vollen Wanne zu wälzen und auf allen Vieren quietschend davon zu krabbeln. Nach diesem Erlebnis empfand ich jedoch jede Spinne an der Decke als Wohltat, weil sie sich eben an der Decke und nicht auf meinem nackten Bauch befand. Mein Dank gilt auch meinem Ehemann Friedolin, der mir von der Existenz der riesigen Hausspinne unter unserem Sofa erst am Tag unseres Auszugs erzählte, als ich bereit dafür war.
Friedolin: „Vielleicht solltest du nicht im Zimmer sein, wenn das Sofa rausgetragen wird…“
Wiebke: „Warum nicht?“
F: „Weil da eventuell jemand drunter wohnt.“
W: „Jemand? Im Sinne von: jemand mit acht Beinen?“
F: „Möglich.“
W: „Warum weiß ich davon nichts?“
F: „Weil du eine Spinnenphobie hast?“
W: „Wie groß ist die denn?“
F: „Sagen wir es mal so: ich dachte erst, es wäre ’ne Maus.“
W: „EINE MAUS? Das hättest du mir sagen müssen!“
F: „Als ich sie das erste Mal gesehen habe, warst du halt gerade in der Küche…“
W: „Ja, und?“
F: „Ich wollte sie nicht aus den Augen lassen.“
W: „Warum hast du kein Glas genommen und sie rausgesetzt?“
F: „So große Gläser haben wir gar nicht. Du willst ja nie zu Ikea.“

Als gestern am späten Abend auf jeden Fall eine riesige Hausspinne unter unserem Sofa hervor krabbelte (vermutlich war es dieselbe, die an unser Sofa gekrallt mit umgezogen ist), gab es diesen einen Moment, der mich schwer an einen Pixar-Animationsfilm erinnerte. Ich bemerkte die Spinne, die Spinne spürte meinen Blick, hielt mit einem erhobenen Bein mitten in der Bewegung inne und sah mich aus acht Augenwinkeln an. Ich trank in aller Seelenruhe das Wasser aus meinem Ikea-Pokalglas aus, das ich in weiser Voraussicht nach unserem Umzug gekauft hatte, hechtete nach vorn und stülpte das Glas über die Spinne. Ich holte ein Stück Pappe, schob es unter das Glas, trug die Spinne nach draußen und stellte das Glas samt Pappe und Spinne in sicherer Entfernung in unserer Gasse ab. Dann holte ich Friedolin, damit er sie freiließ. Wir wollen ja nicht gleich übertreiben.

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