unser Garten

Leben, das leben will

Wir haben drei neue Mitbewohner*innen: Pingu, Piepsi und Goldi. Pingu sieht aus wie ein kleiner Pinguin, Piepsi piepst am lautesten und Goldi hat goldgelben Kükenflaum, daher sind die Namen nur konsequent. Die Kinder räumen aber ein, dass Piepsi vielleicht nochmal einen neuen Namen bekommt, sollte es zu einem stattlichen Hahn heranwachsen. Das vierte Küken Pelle lag leider gestern Morgen tot im Nest. Ich hatte die Kinder schon am Vorabend gewarnt, dass Pelle zu schwach für das Leben sein könnte. Sie haben es tapfer aufgenommen und dem kleinen, schwarzen Küken eine liebevolle Beerdigung beschert, mit Blumen, Grabstein und Gebet. Aus den übrigen sechs Eiern ist leider niemand geschlüpft. Ich hoffe sehr, dass unsere drei Küken überleben. Je geringer die Zahl, desto bedeutender wird jedes einzelne. Piepsi ist ein winziges, federfüßiges Zwerghuhn, setzt sich aber tapfer gegen seine größeren Stiefgeschwister durch. Bisher gewinnt es jeden Kampf um Regenwürmer. Gestern mussten wir ihm einen 10 Zentimeter langen Wurm wieder aus dem Schnabel ziehen, sonst wäre das gierige Winz-Küken wohlmöglich daran erstickt. Stundenlang sitzen wir vor dem Kükengehege und beobachten die Kleinfamilie. Rambo ist eine tolle Mutter und bringt ihren Kindern bei, was es bedeutet, ein glückliches Huhn zu sein: Scharren, Picken, Putzen, Sandbaden. Sie bleibt entspannt, wenn wir ihre Küken in die Hand nehmen oder die Voliere betreten.
Die wenigsten Hühnerhalter brüten ihre Eier auf natürliche Weise aus, sondern benutzten dafür einen Inkubator, weil sich mit einem Brut-Automaten der Zeitpunkt des Schlüpfens besser steuern lässt und die Ausbeute in der Regel höher ist. Dafür wachsen die Küken ohne Mutter auf. Was mir wirklich in der Seele weh tut, jetzt wo wir täglich beobachten, wie liebevoll die Glucke mit ihren Küken umgeht. Wie vielfältig ihre Laute sind, wenn sie mit ihnen kommuniziert: Gurren, Purren, Keckern, Gluckern. Ihre Küken antworten mit mehr oder weniger aufgeregtem Piepsen. Ich mag gar nicht daran denken, dass jedes Jahr in deutschen Hühnerfarmen 45 Millionen dieser lebensbegierigen Küken getötet werden. Kauft bitte nur Bio-Eier von Bruder-Hähnchen-Initiativen. Dann dürfen die Küken immerhin ein bisschen leben.
Wenn ich die Küken beobachte, vergesse ich die Welt da draußen. Und immer wieder kommt mir das Albert-Schweitzer-Zitat in den Sinn: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“
Der Lockdown bedeutet Stillstand, gleichzeitig geht das Leben weiter. Die Natur entfaltet sich, Menschen- und Tier-Kinder kommen zur Welt und wachsen jeden Tag ein bisschen über sich hinaus. Zwar zieht sich der nicht enden wollende Lockdown wie trist-graues Kaugummi, verklebt die Tage, die Nächte, den Horizont, raubt Energie und Lebensfreude. Aber wenn man genau hinschaut, passiert in jedem Mikrokosmos gerade jeden Tag ein kleines Wunder.

3 Kommentare

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    Heike

    Was für eine schöne Bescherung 🙂 Ich hoffe, die 3 Kükis werden groß und stark!

    Die Spende ist nur für einen Kaffee, der Rest kann ja in Futter umgesetzt werden ;o)

    Lieben Dank für Deine Geschichten und viele Grüße
    Heike

    PS: wir haben grad 2 Kindereichhörnchen auf dem Balkon :))

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    Heike Spangenberg

    Wunderbare positive und hoffnungsvolle Gedanken in schwierigen Zeiten, vielen Dank. Lass dir den Kaffee schmecken.

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