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Der Geburtskuchen

Heute backt Friedolin unseren Geburtskuchen. Zur Feier des Tages, weil es Mehl im Supermarkt gab. Und weil die Kinder das geheime Eiernest gefunden haben. Sieben Eier lagen versteckt im Igelhaus. Das hatte ich dem Igel im letzten Herbst gebaut, aber er zog es vor, unter der alten Zinkwanne zu überwintern. Die Tiere in unserem Garten machen einfach nicht, was sie sollen. Die Amseln ignorieren die Vogeltränke und baden lieber im rostigen Tonnendeckel. Die Hummeln meiden das Insektenhotel und sind hinter der Starkstromsteckdose eingezogen. Und die Frösche haben immer noch nicht verstanden, dass ihr Teich vorübergehend ein Sandkasten ist. Da können die Kinder nicht so schnell drin ertrinken. Die Frösche sehen daher während der Paarung leicht paniert aus.

Die Geschichte mit dem Geburtskuchen hatten wir unserer Hebamme zu verdanken. Beim ersten Kind dauert die Geburt in der Regel ja etwas länger. Daher riet unsere Hebamme, beim Einsetzen der Wehen erstmal einen Kuchen zu backen. Damit wir nicht so oft auf die Uhr schauen und nicht durch drehen. Ich bin trotzdem durchgedreht, als es losging. Weil wir keine Zitronen mehr hatten. Für jedes Geburts-Szenario hatte ich einen Plan-B, nur für den Joghurt-Zitronen-Kuchen nicht. Mit Frauen in den Wehen kann man schlecht diskutieren. Also musste Friedolin einkaufen und ich atmete Wehen weg. Nach einer Stunde kam er mit einem Großeinkauf zurück. Zitronen hatte er vergessen. Also musste er wieder los und ich atmete weiter Wehen weg. Den gemeinsamen Geburtskurs hätten wir uns sparen können. Als er mit den Zitronen zurück war, brachte ich nur noch raus: „Geh backen, sprich mich nicht mehr an.“ Dann kamen die Wehen schon alle fünf Minuten, aber wir konnten nicht ins Geburtshaus. Der Kuchen war ja noch im Ofen. Beinah wäre unsere Tochter im Auto zur Welt gekommen. Aber der Kuchen war lecker. Seitdem backt Friedolin immer Joghurt-Zitronen-Kuchen, wenn unser Leben aus dem Gleichgewicht gerät. Der Kuchen erinnert uns daran, nicht alles im Leben durchzuplanen. Es kommt ohnehin anders. Und er macht uns Hoffnung auf ein gutes Ende. Seit Corona planen wir gar nichts mehr. Wir machen es wie die Tiere in unserem Garten. Und wir versuchen, nicht an morgen zu denken. Dazu passt Geburts-Kuchen ganz ausgezeichnet.

Das Geburtskuchen-Rezept ist einfach (sofern man Zitronen im Haus hat):

200 g weiche Margarine mit 200 g Zucker und 1 Pkt Vanillezucker schaumig schlagen. 3 Eier von glücklichen Hühnern einrühren. Saft und Schale von 1 Zitrone und 150 Bio- oder Soja-Joghurt unterrühren. 300 g Mehl und 1 Tl Backpulver sieben und unterrühren. In einer Kastenform bei 175 Grad ca. 55 Minuten backen. Wer mag, mit Zitronen-Puderzucker glasieren.

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